Foltern verboten? Wenn schon nicht Menschen, dann wenigstens die Sprache quälen!

18 Mrz

Ich empfinde eine geradezu gemeine Genugtuung, wenn ich guten Geistern Böses zufüge. Deshalb bin ich ja auch Kabarettist.

Unter einem diktatorischen Regime wäre ich wahrscheinlich ein erfolgreicher Folterknecht geworden. In einem demokratischen Rechtsstaat wie Deutschland indes ist das schwer. Selbst als Gefängniswärter oder Polizist darf man sich beim Foltern nicht erwischen lassen.

Doch jetzt habe ich einen Weg gefunden, wie ich meine perverse Neigung nach Lust und Laune austoben kann. Wenn ich schon keine Menschen foltern darf, dann quäle ich halt die Sprache!

Zu meinem übergroßen Erstaunen finde ich bei meinem neuen Hobby Zigtausende Gleichgesinnter. Politiker gehören ebenso dazu wie Journalisten, PR-Leute und Schriftsteller oder Wissenschaftler. Sie alle eifern um die Wette, der guten alten deutschen Sprache die betagten Knochen zu brechen.

In meine neue Aufgabe kann ich mich richtig reinsteigern. Sie ist die einzigste Superlative der Spitzenklasse in der genialsten Selbstbespiegelung meiner großartigen Geisteskraft!

Zuerst habe ich es mal mit „Political Correctness“ ausprobiert. Der 8. März gab mir da eine günstige Gelegenheit, meine Äußerungen konsequent geschlechtergerecht zu gendern. Alle Mitgliederinnen efrauzipierter Frauengruppinnen waren der Freudin voll ob meiner gegendaten Sprachin.

Anglismen sind auch immer O.K.: Ich hab da mal einen coolen Flyer für den CEO gelayoutet und quick noch vor dem Lunch an das Global Player Team der Nerds im Inner Circle gepostet. Die Boys and Girls twitterten on Demand Top-News darüber und heavy Comments on Facebook.

Anschließend war ein wissenschaftliches Exposee über die kompensatorische Eloquenz restriktiver Redundanz in kommunikativen Systemen akademischer Kommunikation, die dem marginalen Populationen sozial deklassierter urbaner Regionen eine kompetente Interaktion graduell verkompliziert, eine subsumptive Offerte zur lingualen Kooperation mit arroganten Theoretikern in extrauniversitären Kolloquien. Dabei habe ich die Thematik der permissiven Inadäquanz adolescenter Intoleranz nur peripher systematisiert.

Als die Betroffenen dieser Erörterung bei meinen Ausführungen alt aussahen, habe ich es mal mit einer Verniedlichung versucht. Ich habe jedem Ersti ein Flugi mit Tipps für den Öffi für Studis gegeben.

Da hatte ich´s ihnen aber gegeben! Mit massiven Drohungen musste ich auf ihre Köpfe einschlagen, bis ihre vor Wut geifernden Blicke und ihre schäumenden Mäuler sich schließlich wieder beruhigten.

„Geh nie tief in die Sprache hinein“, dachte ich mir daraufhin. Des Allgemeiner Studierendenausschuss Vorsitzende befleißigt sich sonst dem Messer oder dem Megafon!

Nachdem ich der guten alten Mutter Sprache so viel Leids angetan hatte, war ich´s für´s Erste zufrieden. Jetzt lese ich erst einmal Grimms Märchen und erfreue mich der grausigen Geschichten vom bösen Wolf und dem unbedarften Rotkäppchen. Später werden mir sicherlich noch mehr feinsinnige Foltermethoden einfallen, wie ich meine beredte Muttersprache ohne Rücksicht auf Verluste brutal zum Schweigen bringen kann.

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