Die tickt nicht richtig: Von den Uhrzeiten zu Urzeiten

30 Mrz

„Die tickt nicht richtig.“ Gäbe es immer noch so viele mechanische Uhren wie zu Großvaters Zeiten, wäre diese Aussage in den nächsten Tagen wohl öfter zu hören. Denn sicherlich werden wieder einmal viele vergessen, ihre Uhren auf die Sommerzeit umzustellen.

In den Urzeiten der mechanischen Uhren war das noch anders. Da liefen die Uhren ganz mechanisch immer weiter und weiter. Doch heute kennen sie Sommer und Winter, Frühling und Herbst.

Die Uhrzeiten richten sich nun nach den Jahreszeiten. Die Menschen hingegen richten sich nicht mehr wie in den Urzeiten des Ackerbaus und der Viehzucht nach den Jahreszeiten, sondern nach den in Sekundenbruchteile zerlegten Uhrzeiten.

Dabei verschwenden sie viel Energie. Um wenigstens ein wenig Energie einzusparen, wurde 1980 in der Bundesrepublik die Sommerzeit eingeführt.

Alljährlich erleben wir seither das gleiche Spiel: Am letzten Sonntag im März müssen wir unsere Uhr umstellen, um sie am letzten Sonntag im Oktober wieder zurückzudrehen. Die Stunde, die uns zum Frühjahrsbeginn geschenkt wurde, nimmt man uns im Herbst gnadenlos wieder ab.

Daran haben wir uns in mehr als drei Jahrzehnten gewöhnt. Vergessen haben viele die Umstellung der Zeitmesser zum rechten Zeitpunkt trotzalledem.

Kaum jemandem käme es auch in den Sinn, bei dieser Gelegenheit einmal nachzufragen, was „Zeit“ eigentlich ist. Dafür haben nämlich nur die wenigsten von uns Zeit.

Jeder von uns glaubt, er wisse, was Zeit ist. In Wirklichkeit aber wissen wir alle, dass wir es nicht wirklich wissen.

Zeit ist laut Albert Einstein die vierte Dimension. Damit hat der Urheber der Allgemeinen Relativitätstheorie vermutlich den Stein der Waisen gefunden. Mit seiner Theorie jedenfalls ist er in neue Dimensionen der Mathematik und Physik vorgestoßen.

Für mich ist das relativ alltäglich. Meine Zeit verbringe ich schließlich großenteils mit Quantenphysik. Dafür verwende ich ein großes Quantum meiner Zeit.

Meine Freundin beschwert sich immer, ich hätte zu wenig übrig für sie. Dann antworte ich ihr meist: „Das ist alles relativ.“

Doch damit lässt sie sich inzwischen nicht mehr abspeisen. Darauf reagiert sie relativ genervt.

Neulich hat sie mir sogar gedroht, sie würde nur noch kurze Zeit warten, bis es Zeit für sie sei, ihre Zeit mit mir zu beenden. „Es ist Viertel vor Zwölf“, hat sie gesagt.

Doch darauf habe ich relativ gelassen reagiert. Ich habe nur auf meine Armbanduhr geschaut und gesagt: „Du irrst Dich. Es ist Viertel vor Eins.“

„Du tickst wohl nicht richtig“, hat sie mich daraufhin angegiftet. „Nein“, habe ich ihr ruhig geantwortet. „Deine Uhr tickt nicht richtig.“

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