Nur noch Nullen: Europa ruft um Hilfe

16 Apr

Millionen, Milliarden oder Billionen? Allmählich verliert man den Überblick. Die Nullen haben in letzter Zeit dramatisch zugenommen.

In der Politik und im Bankwesen wimmelt es nur so von Nullen. Selbst ich als Physiker und Mathematiker komme kaum noch hinterher bei den ganzen Taschenrechnertricks. Dabei fließt bei einer Null doch gar kein Strom!

Mächtig unter Strom stehen sie indes alle. Schon vor vier Jahren hat das begonnen. Damals hatten einige Neunmalkluge mit einer alten Luftpumpe ihre Brieftaschen aufgepumpt.

Als die Blase zu platzen drohte und in den Verteitigten Staaten faule Hypotheken zum Himmel zu stinken begannen, da verpackten einige findige Banker sie in windige Papiere. Diese „Derivate“ drehten sie anderen an, die darauf herein- und über die angeblichen „Schnäppchen“ herfielen.

„Zwei rechts, zwei links“ hakte die US-Regierung unter, als daraufhin einige Banken in Schieflage gerieten. „Eins fallenlassen“ war dann gerade bei den Lehmann-Brothers an der Reihe. Mit lautem Getöse rutschten sie in den Abgrund.

Kurz vor dem Sturz hatten diese Brüder noch einige der Umstehenden ergriffen und zogen sie nun mit in den Orkus. So stürzte eine gigantische Menge wertvoller Dollars in ein tiefes Loch.

Daraufhin gerieten weitere Banken ins Wankn. Regierungen schossen Vitaminspritzen in ihre verfetteten Venen, damit sie die grassierende Ansteckungsgefahr gut überstehen konnten.

Die Banker gelobten Besserung und ein gesünderes Leben. Abnehmen wollten sie und Diät halten. Auf die Boni verzichten wollten sie auch, die viele von ihnen schnell schwach werden ließen.

Die weisen Worte waren kaum verklungen, da folgten auch schon die Taten. Allerdings standen sie in krassem Widerspruch zu den vorherigen Beteuerungen. Alles ging weiterhin weiter wie gehabt.

Völlig ungehemmt breitete der neue Erreger sich daraufhin in Windeseile aus. Schnell erreichte er Europa und einige kleinere Inseln.

Zunächst befielen die Viren die Iren. Die Bewohner dieser kleinen Insel hatten sich in aller Stille ein großes Geschäft aufgebaut mit fremden Vermögen. Überall in den Anlagen standen Banken herum.

Einige davon brachen zusammen. Dann war mit Irland kein Staat mehr zu machen.

Waren die Iren dann aber dennoch zu retten, so traf der Banken-Bazillus die Griechen mit aller erdenklichen Härte. Viele liegen un abgemagert auf ihren Kojen und bangen um ihr Leben.

Auch die Situation der Banken in Spanien kam den europäischen Nachbarn bald spanisch vor. Aber inzwischen kannten sie sich ja aus mit der Krisenbewältigung.

Dann ging es nach Zypern. Inseln kannte die tapfere Troika ja schon reichlich.

Nun reden sie von Slowenien. Auch Italien wurde manchmal genannt. Vielleicht ist in Frankreich aber auch Hollande in Not.

Längst sind die Hilfsprogramme Legion. Erkennungszeichen der europäischen Sanitäter ist der Schirm. Auch wenn sie ihn „Rettungsschirm“ nennen, dürfte es sich dabei doch eher um einen Fallschirm handeln.

Erste Hilfe mit Mund-zu-Mund-Beatmung habe ich ja auch schon geleistet. Einmal habe ich das im Schwimmbad bei einer süßen Teenagerin gemacht. Als sie hinterher ihre Augen aufschlug und mich erleichtert anlächelte, hätte ich beinahe einen Herzschlag bekommen vor Glück.

Als neulich nachts ein Betrunkener im Vollrausch umkippte, habe ich auch nicht lange nachgedacht und gehandelt. Hinterher war ich so besoffen von seinem nach Schnaps stinkenden Atem, dass ich beinahe selbst eine Mund-zu-Mund-Beatmung gebraucht hätte.

Aber wir Europäer sind ja nicht so. Wir helfen, wo wir können. Marode Banken können auf die Mund-zu-Mund- oder Tasche-zu-Tasche-Wiederbelebung der Steuerzahler hoffen.

Zwar steigen die Summen der zahlreichen Hilfsprogramme mittlerweile ins Astronomische. Aber Börsianer haben ja sowieso einen Hang zum Okkultismus. Außerdem lieben sie Nullen vor allem, wenn sie in großer Zahl daherkommen.

Als Physiker und Mathematiker kenne ich mich aus. Im binären System steht die Ziffer 1 für Strom. Eine 0 führt keinen Strom.

Auch wenn die Regierungen in Europa mächtig unter Strom stehen, ist das Ergebnis meiner Berechnungen klar. Bei so vielen Nullen ist da nichts, womit man etwas in Bewegung bringen könnte.

Das Rechenzentrum ist tot. Die Bankomaten sind tot. Die Schalterhöllen sind tot.

An einigen Grabsteinen sind QR-Codes angebracht. „Hier ruht unser teurer Euro“, ist darauf zu lesen. „Requiescat in Pacem!“

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