Mannchen, Mannchen: Ein Bernstein auf der Roten Liste der deutschen Dialekte

24 Apr

„Mannchen, Manchen!“ Früher hörte man manchen so oder ähnlich sprechen. Heute hingegen ist dieser Dialekt weitgehend ausgestorben.

Ostpreußen ist polnisch. Die masurische Seenplatte ist ein schönes Urlaubsziel; Deutsch sprechen dort heutzutage fast nur Touristen.

„Mannchen, Manchen“, beginnt der Ostpreuße viele seiner Reden. „Hab ich jesejien manchen liejen ouf dar Straße. Hat ar versucht, sich oufzurappeln; aber hat ihm jeholfen jar nuscht.“

Die Satzstellung ist verdreht und das „i“ etwas stärker betont. Die etwas höhere Stimmlage zeugt davon, dass das Herkunftsgebiet dieses Dialekts relativ weit nördlich liegt.

„Bei uns in Ostpreissen“, pflegten die alten Leute nachdenklich zu sagen oder „bei uns in Masuhrjen“. Gemächlich kam dieser Dialekt daher, aber keineswegs langsam oder schwerfällig.

„So zärtlich war Suleiken.“ Das Bild Masuriens lässt Siegfried Lenz mit seinen kurzen Geschichten sehr plastisch und witzig vor dem inneren Auge der Lesenden entstehen.

„Neeiehj, neeiehj“, schüttelte der alte Ostpreuße den Kopf. Nachdem die alten Damen und Herrschaften gestorben sind, bleibt auch von ihrem Dialekt nicht mehr viel zurübk. Dabei wirkte er witzig und wunderschön.

„Mannchen, Mannchen“, möchte man manchen Menschen zurufen. „Heeiehjbt das Ostpreissische ouf wie dem Bernsteeiehjn vom Meeresstrand!“

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