Grätsche von Gehde gemacht: Ei, de Hesse kannsde vergesse

18 Mai

„Ei, guhde! woheä bis denn Du?“ Diese Frage kann so nur ein Hesse stellen. Leicht erkennen konnte schon „Babba Hesselbach“ alias Wolf Schmidt den Hessen an seinem charakteristischen „Ei“.

Was die gemeinen Deutschen indes normalerweise als „hessisch“ bezeichnen, ist allein der südhessische Dialekt. Dort sammeln die Menschen beim Sprechen Eier und Geld, während das in Mittel- und Nordhessen schon ganz anders klingt.

Der „Dammstäddä“ ruft erstaunt aus: „Leud, Leud“. Der Kasseläner dagegen riefe aus dem gleichen Anlass „Kelle, Kelle!“

„Frankfuddä“ sind „Werstsche“. Vorzugsweise essen sie „Rippsche mit Kraut“ und dazu „krieh Sohs“. Sie trinken süß oder sauer gespritzten „Äbbelwoi“ und essen dazu stinkenden „Handkäs mit Mussick“.

Der berühmteste Sohn der Stadt mit dem Rathaus namens „Remä“ heißt „Gehde“. Die weibliche Hauptfigur in seinem bekanntesten Drama ist „Grätsche“ und macht kurz vor Schluss „Der Tragödie erster Teil“ auch eine solche.

Die schlimmsten Feinde der „Frankfuddä“ sind die „Owwebäscher“. Dabei liegt diese Stadt gleich hinter dem „Mah“. Die benachbarten Frankfurter Stadtteile links des Main nennen die „Frankfuddä“ nur „Tripptebach“.

Das noch etwas weiter südlich gelegene „Dammstadd“ hat seinen „Datterich“ und den alten Jugendstil auf der Mathildenhöhe. Sein nördlichster Stadtteil außer Wixhausen heißt „Orhelje“, wird aber „Arheilgen“ geschrieben. Merck Dir das!

Landeshauptstadt von Hessen ist übrigens Wiesbaden. Der Faulbrunnen dort kennzeichnet vermutlich die Einschätzung der Landeskinder über ihre Beamten und Parlamentarier. Er stinkt nach Schwefel wie der teuflische Mephisto.

Gemäß der historischen Aufteilung Hessens gehört Wiesbaden zu Hessen-Nassau. Die nassauischen Studenten waren – wenn tragischerweise auch völlig zu Unrecht – berüchtigt für das gute Leben auf Kosten anderer. Tatsächlich waren es jedoch andere, die sich am kostenlosen Mittagstisch für die nassauischen Landeskinder in Marburg als Nassauer ausgegeben und so „genassauert“ haben.

Weil die Hessen nicht essen, sondern „esse“, nennen sie sich selber auch im Plural nur „Hesse“. Am Marburger Landgrafenschloss prangt eine alte Inschrift, wonach „Landgraf Ludwig von Hesse“ dieses Gebäude „neu hat durchmesse“.

Hessisch gesprochen wird auch in „Aschebäsch“. Trotzdem liegt Aschaffenburg – wie die Stadt richtig geschrieben wird – gleich hinter der hessischen Landesgrenze im Bundesland Bayern. Den geselligen Hessen ist so was aber so was von egal!

„Bembelsche“ und „Faust“ haben die Hessen fast immer dabei. Wenn „Faust“ nicht ein Buch oder Theaterstück ist, dann ist es vielleicht auch ihre knallharte Rechte.

Für ihre Grobheit waren die Leute von Main und Kinzig, Lahn und Dill, Fulda und Werra schon vor 250 Jahren verschrieen. Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eilte den von ihrem Landgrafen an die britische Krone verkauften Soldaten ein furchbarer Ruf voraus: „Erbarmen, die Hessen kommen!“

Die Rottgau Monotones haben aus dieser Warnung einen eingängigen Hit mit Hessen-Rap gemacht. „Was hat denn de Babba da?“ Die Antwort lautet „De Babba hat ´ne Flasche Grabba da.“

Vermutlich für die trinkfreudigen „Bembel-Budsä“ gibt es in Frankfurt-Sachsenhausen auch einen „Lokalbahnhof“. Diese Bahnstationbefindet sich auch nicht allzu weit entfernt von der berühmten „Klabbägass“. Dort findet der Tourist die höchste „Äbbelwoi“-Dichte Frankfurts, aber nur wenige „Frankfuddä“.

In der „Fressgass“ findet der Banker die höchste Dichte an Delikatessenläden. Ebenso wie die „Klabbägass“ trägt aber auch die „Fressgass“ auf dem Straßenschild einen ganz anderen Namen.

Die beiden Türme der Deutschen Bank nennt der Volksmund übrigens „Soll“ und „Haben“. Eigentlich dürfte dann aber nur der zweite Turm der Bank gehören, wohingegen der erstere wohl eher dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt zuzuordnen wäre.

Dank der Banken und ihrer Macht ist Frankfurt Europas heimliche Hauptstadt. Wahrscheinlich deswegen versichern sich die „Frankfuddä“ nach jedem dritten Satz auch der Zustimmung ihres Gegenübers mit einem „Gell“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: