Wählbar: Die Stimme abgeben und dann die Zeche zahlen

22 Mai

In genau vier Monaten ist Wahl. Allmählich wird es Zeit, sich Gedanken über das eigene Stimmverhalten zu machen.

Verhalten fragen sich viele, wer denn überhaupt wählbar sein könnte. Aufschluss darüber gibt jenseits aller Sonntagsfragen ein genauerer Blick auf das kleine Wörtchen „wählbar“.

Wählbar ist in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) nur jemand, der über genügend Barschaft für einen aufwendigen Wahlkampf verfügt. Ohne Bargeld in dreistelliger Millionenhöhe hat niemand auch nur die geringste Chance, US-Präsident zu werden.

Wählbar in Deutschland hingegen ist nur jemand, von dem die Wirtschaft annimmt, dass er hinterher ihre Angebote und damit ihr Bares annimmt. Bares Vertrauen manifestiert sich dann in gut dotierten Beraterverträgen, üppigen Honoraren für Reden und Vorstands- oder Aufsichtsratsposten vor allem nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik.

Wählbar heißt deshalb, durch eine Wahl sein Barvermögen zu vermehren. Nicht gerade magere Diäten heißen nur deshalb so, weil sie bei wirklich wählbaren Politikern nur den kleineren Teil der Einnahmen ausmachen.

Wählbar ist jemand, der nach der Wahl bar jeder Vernunft für Kriegseinsätze stimmt und sie als angeblich alternativlos anpreist, weil die Rüstungsindustrie doch auch Bares braucht. Wählbar ist, wer nach dem Urnengang alle vorherigen Versprechen in die Tonne tritt und seine Wählerschaft für dumm verkauft.

Trotzdem werden die Bürger am 22. September wohl ihre Stimme abgeben müssen, um für den Rest der Legislaturperiode stumm zu bleiben. Auch wenn die Verhältnisse in Deutschland nicht stimmen, sollte das aber niemanden traurig stimmen. Schließlich stimmen die gewählten Volksvertreter doch im Namen ihrer Wähler für all das, was die verstimmt.

Kriegseinsätze, Waffengeschäfte und die Rettung maroder Großbanken sind bar jeder Alternative. Videoüberwachung ist wunderbar, weil Kritiker ein blaues Wunder erleben, wenn sie trotz der vorherigen Stimmabgabe doch noch den Mund aufmachen.

Es ist schon ein Kreuz mit diesem Kreuz. Die Qual der Wahl wird zur Wahl der Qual.

Angesichts dieser Alternativlosigkeit kann man sich nur noch besaufen. Also ab in die Wählbar!

Besser noch ist eine andere Stelle, wo der besoffene Bürger das Maß vollaufen lassen kann. Dieser Ort hat den passenden Namen, heißt er doch ganz prosaisch nur „Wahllokal“.

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