Stimmgewalt: Hau ruck mit Druck im Chor

24 Mai

Früh um 6 klingelte das Telefon. Erschrocken fuhr ich hoch aus meiner wohligen Ruhestatt. Was mochte wohl passiert sein, dass jemand mich um diese unchristliche Zeit aus dem Schlaf riss?

Der Chorleiter bellte mich missmutig an. Mein Mitsänger Konrad habe sich von der Probe abgemeldet. Ich solle ihn anrufen und dazu drängen, dass er doch noch kommt.

Das Fernbleiben von der Probe sei unentschuldbar. Schließlich wollten wir doch an Fronleichnam in der Kirche von Belnhausen auftreten!

Allmählich wachten die Lebensgeister auf in mir. Völlig entgeistert war ich, als mir dämmerte, was da gerade geschehen war.

Den Chor-Kollegen Konrad kenne ich kaum. Warum also sollte ausgerechnet ich bei ihm anrufen?

Um 9 versuchte ich es dennoch. Seine Frau war am Apparat.

Ihr Mann habe beruflich in die Schweiz reisen müssen, erklärte sie mir freundlich. Bis zum Wochenende werde er weg sein.

Das berichtete ich dann wiederum meinem Chorleiter. „Das geht aber nicht“, schimpfte er. Ich solle gefälligst dafür sorgen, dass Konrad zur Chorprobe kommt.

Angesichts dieser Unverschämtheit beschloss ich, aus dem Chor auszutreten. Ohnehin wollte ich mir ja den Mund wegoperieren lassen. Gründe zum Ausscheiden aus dem kräftezehrenden Klangkörper hatte ich also zur Genüge.

Im abgelaufenen Jahr hat bereits die Hälfte der Mitglieder den Chor verlassen. Jetzt weiß ich auch, warum.

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