Ideen unterwegs: Geschlagen geben oder Geschäfte machen?

8 Jun

Manche Menschen sind Quartalssäufer. In der hessischen Landespolitik wurde ein durchgeknallter Konservativer einmal als „Quartalsirrer“ bezeichnet. Ich hingegen bin ein Quartalsgenie

Genieren muss ich mich deshalb nicht. Jedenfalls meinen das meine Ideen zu mir, wenn ich sie zur Tür geleite und in die rauhe Wirklichkeit da draußen entlasse.

Seit einem Quartal sind meine Ideen im weltweiten Wirrwarr der wabernden Bloggosphäre unterwegs. Wirklich witzig waren ihre Wanderungen durch die weiten Wüsten der Nullen und Einsen indes wohl nicht. Jedenfalls haben sie nicht viele Freunde gefunden, obwohl sie in schicken Netzstrümpfen und mit langen Absätzen daherkamen.

Die helle Idee unternahm eine längere Reise in den Süden. Auf ihrem Weg zu einem ruhigen Park mitten in der pulsierenden Millionenstadt am Bosporus summte sie ein fröhliches Liedlein: „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!“

Erstaunt musste sie dann aber feststellen, dass dort nichts mehr war wie ein Jahr zuvor. Wo im vorigen Frühling noch die Blumen dufteten und die Bäume blühten, bauten die Bagger bereits an einem riesigen Einkaufszentrum.

Die dunkle Idee ging durch die lärmenden Straßen der nahe gelegenen Großstadt an den Türmen der Banken vorbei zum schwarzen Block. Sofort wurde das reizende Girl dort von grimmigen Uniformierten umzingelt und mit Reizgas besprüht.

Lange haben behelmte Beamte sie festgehalten. Allerdings geschah das nicht etwa aus Liebe, sondern eher zur Befriedigung der Triebe auf qualvolle Hiebe.

Ernüchtert kehrten beide schließlich wieder heim zu mir in das schützende DomiZiel. Ein Kessel türkischen Gemüseeintopfs mit Frankfurter Würstchen konnte sie kaum aufheitern.

Gemeinsam gossen wir uns zur Verdauung einen Uzo hinter die Binde. Traurig stellten wir fest, dass selbst die nettesten Ideen im harten Alltag auf heftige Widerstände stoßen.

„Du brauchst keine guten Ideen“, sagten meine grauen Zellen daraufhin beruhigend zu mir. „Du musst nur gute Geschäfte machen. Gierige Geschäftsleute und das große Geld regieren doch letztlich die Welt.“

Deshalb habe ich mich jetzt an ein stilles Örtchen zurückgezogen. Die braunen Produkte einer schlechten Verdauung werde ich gleich gnadenlos in die dunklen Kanäle im Untergrund hinunterspülen. Vorher mache ich mit den doppelten Nullen aber noch ein richtig großes Geschäft.

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