Beim zweiten Gang im Lokal ein Lied anstimmen: Echte Fründt stonn zusamme

9 Sep

Rheinländer haben „Fründe“. Hat der Landkreis Marburg-Biedenkopf demnächst eine „Fründt“? Nach dem ersten Wahlgang zur Landratswahl scheint das sehr wahrscheinlich zu werden.

Eigentlich müsste man meinen, in Mittelhessen lebten überwiegend Menschen, die sich der hessischen Mundart befleißigen. Offenbar drängt es aber viele doch zu etwas mehr Humor als dem durchschnittlichen Mundwinkel-Index der mundfaulen Mittelhessen. Jedenfalls haben sich mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten am Sonntag (8. September) für Kirsten Fründt von der SPD entschieden.

Wahrscheinlich war ihnen der Name des Zweitplatzierten zu preußisch oder gar zu schwer auszusprechen. Der Kandidat der CDU für den Landratsposten heißt Marian Zachow.

Auch mit der englischen Sprache haben es die Landpommeranzen im Hinterland nicht so. Jedenfalls erreichte Karsten McGovern von den Grünen trotz seines Amtsbonus als stellvertretende Landratte nur gut 21 Prozent.

Spannend hingegen ist das Abschneiden von Kai-Uwe Spanka. Dem Bürgermeister von Wetter gaben mehr als 11 Prozent der Wähler ihre Stimme. Hoffen sie etwa, dass der ehemalige Polizist inzwischen die Kunst des Wetterns über die Verhältnisse beherrscht?

Anfreunden können sich die Menschen in Marburg-Biedenkopf jetzt jedenfalls damit, dass sie künftig wahrscheinlich im Landratsamt eine „Fründt“ haben. Wenn der zweite Wahlgang am Sonntag (22. September) für sie nicht zum Rückwärtsgang wird, dann wird die Sportlerin von der SPD dort vermutlich den Chefposten erringen.

Dabei hatten viele vermutet, der erste Gang würde für die Sportler-Propagierungs-Demagogen namens SPD zum Gang nach Canossa werden. Schließlich hatte irgendjemand in einer wichtigen Parteiposition seine „Fründt“ dort auf den Schild gehoben, ohne die anderen Aktiven vorher zu fragen. Die waren dann auch äußerst empört darüber, was ihre Parteispitze da im Schilde führt.

„Das war Spitze“, hätte der Quizmaster Hans Rosenthal in einer solchen Situation grinsend gesagt. „Das war toll“, würde mancher Sozi sagen. „Bartol!“

Sören Bartol jedenfalls steht am selben Tag zur Wahl wie seine „Fründt“. Wie singen doch die Höhner us Kölle: „Echte Fründe stonn zusamme, stonn zusamme so wie eine Jott und trott!“

Am 22. September werden auch die Sitze im Land- und im Bundestag verteilt. In verteilten Rollen treten die Abnicker an, damit man für sie ein Kreuz macht. Das brauchen sie dringend, denn die meisten von ihnen haben kein Kreuz oder Rückgrat.

Wenn die Kandidaten gewählt worden sind, nennen sie sich „Abgeordnete“. Das klingt, als würden sie irgendwo in einem Aktenordner abgeheftet.

Tatsächlich stehen sie aber in irgendwelchen Plenarsälen herum und schwingen Reden. „Plenarsäle“ heißen diese Räume, weil die meisten dort voll sind und keine Seele mehr haben. Ihre Seele haben sie nämlich an die Macht verkauft wie einst Dr. Faust seine an Mephisto.

Dafür haben sie aber viele „Parteifründte“. So nennen sie alle, die ihre Pfründe mit ihnen teilen.

Austeilen können die meisten Machtpolitiker ebensogut wie einstecken. Austeilen können sie Schläge vor den Kopf ihrer politischen Kontrahenten und die Köpfe der ohnehin schon benachteiligten Bevölkerungskreise. Einstecken können sie Einkünfte aus Beraterverträgen oder Reden vor Industrieverbänden und anderen Lobby-Vertretern.

Auch wenn der Raum zum Wählen „Wahllokal“ und der Kasten darin „Urne“ heißt, geht es dort weder feuchtfröhlich zu noch tieftraurig. In die Urne stecken die Bürger ihren Willen. Das nennt man zu Recht „Seine Stimme abgeben“.

Stumm dürfen sie dann eine ganze Legislaturperiode lang zusehen, was die Politiker aus ihrem Votum machen. Wo tummeln sich diese Typen rum und was tun sie dort für die Bürger?

Das Wort „Wahllokal“ verwirklicht sich für die Gewählten nach dem Urnengang. Dann trifft man viele sehr häufig im Lokal ihrer Wahl anstatt im lokalen Wahlkreis.

Wenn sich Wähler über ungerechte Politik aufregen, kriegen sie eins über die Rübe. Sie werden eingekesselt und eingesperrt. Das nennt man dann „Blockupy“.

Wenn die Bürger nicht hingehen zur Wahl, nennt man das „Politikverdrossenheit“. Daran sind dann aber diese dummen Leute schuld, die zu faul sind, ihren Hintern hochzukriegen. Die meisten Politiker jedenfalls machen immer alles rechts.

Deswegen muss man am 22. September unbedingt Fründt wählen und Bartol. Schließlich geht nichts über das gute Gefühl, wenn man mit etwas Barem und Freunden in einer Bar steht und sagen kann: „Toll, datt ich Bargeld un Fründe hab!“

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