Besinnungslos besinnlich: Schnaufen, laufen, kaufen, schenken und dabei nicht denken

1 Dez

„Advent“ steht für das lateinische Wort für „Ankunft“. Die beginnende Adventszeit steht wahrscheinlich für die verschärfte Ankunft des Gefühlsdusel-Kommerzes und der Geschenkpapier-Abzocke.

Überall strahlt in den Einkaufsstraßen der Stern von Bet-Geh-hin. Je mehr Geschenke die Leute kaufen und je tiefer sie in die Tasche greifen für ihre teuren Lieben, desto strahlender leuchten die Augen der Geschäftsleute.

Durch volle Fußgängerzonen walzen wahre Menschenmassen. Kaufwütige eilen durch die Abteilungen der Kaufhäuser auf der Suche nach Beute für ihre Beutel. Warenhäuser waren Häuser für wahren Häuserkampf um die Waren für die Häuser der wahren Freunde.

Tannenbäume stehen still und starr herum. Ringsherum hingegen herrscht Hektik und Eile.

Wenn ein allgegenwärtiger Klangteppich tagsüber eine „Stille Nacht“ verheißt und es überall nach Glühwein, gebrannten Mandeln oder Bratwürsten riecht, kann man den Braten riechen: Die Gegenstände in den Päckchen werden teuer bezahlt; auch das kostenlose Geschenkpapier gibt´s nirgendwo umsonst.

Zu Großmutters Zeiten haben die Menschen ihre Weihnachtsgeschenke noch selbst gebastelt. Materiell waren sie vielleicht nicht viel wert; aber ihr Wert war unermesslich, denn sie waren mit Liebe gemacht.

Heute herrscht Hektik in den Einkaufsmeilen. Meilenweit weg sind viele Käufer von der viel zitierten Besinnlichkeit des Weihnachtsfests.

Die Geschäftsleute indes haben Weihnachten fest im Blick. Je fester sie die Leute an ihrem schlechten Gewissen packen, desto größer wird das Fest hinterher für sie. Wenn der Rubel richtig rollt, hat sich die Investition in Christbäume und Straßenbeleuchtung gelohnt.

Ein schlechtes Gewissen haben viele Zeitgenossen, weil sie zu wenig Zeit haben für Familie, Freunde und Kollegen. Deshalb hetzen sie in der Adventszeit von Geschäft zu Geschäft, um gute Geschenkideen zu sammeln und massenhaft Euros für großkotzige Geschenke auszugeben. Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.

Wenigstens an Weihnachten wollen sie in leuchtende Kinderaugen blicken. Den Rest des Jahres hingegen müssen sie der harten Wahrheit ins Auge sehen: Zügelloser Kapitalismus klaut Kraft, Zeit und Menschlichkeit, und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: