Für Menschen mit Behinderungen: Wozu braucht die Welt diesen Welttag?

3 Dez

Der 3. Dezember ist der Welttag der Behinderten. Wozu braucht die Welt so einen Tag?

Heute ist nicht mein Tag. Schon beim Aufstehen behindere ich mich selbst und stolpere über das Kabel meines Laptops, das vor der Badezimmertür auf dem Boden liegt. Behindert ist man nicht; behindert wird man.

Beim Rasieren schneide ich mich ; und beim Duschen überschwemme ich das ganze Badezimmer. Der Kaffee läuft glucksend am geknickten Filter vorbei; und beim Toasten verkohle ich das Brot.

Amazon wirft meine neueste Bestellung mit einer Drohne ab; und das Tablet fällt mir vor die Füße und zerspringt. Das bestellte Handy fällt mir auf den Kopf; und meine Hoffnung auf einen angenehmen Tag scheidet dahin wie eine Frühlingsblume im Herbst.

Was nutzt mir so ein Tag? Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Wer 364 Tage im Jahr behindert wird, der kann am 365. Tag doch nicht jubeln!

Aufmerksam machen soll dieser Tag, lese ich. Mich starren doch alle sowieso schon an wie das siebente Weltwunder, wenn sie meinen Klumpfuß und meine Hasenscharte sehen. Diese Scharte muss ich jeden Tag immer wieder von Neuem auswetzen.

Wenn ich die richtigen Schuhe anhabe und meinen Bart nicht versehentlich zu stark stutze, merkt kaum einer, dass ich behindert bin. Ein wenig hört man es mir ja auch an; aber Reden ist Silber und Schweigen ist Gold.

Heute ist der „Welttag der Menschen mit Behinderungen“. Es ist also der Tag derjenigen, die mich im Alltag mit Behinderungen ausgrenzen. So ist das!

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