Der Wohn-Wahn: Auto, Bett, Computer, Dusche, Kamera und Kühlschrank denken mit

10 Jan

Müde schlage ich die Augen auf. Mein Bett rollt gerade ins Badezimmer und kippt mich in die Dusche. Im nächsten Moment beginnt das warme Wasser, auf mich herunterzuströmen.
Meine gesamte Wohnung ist vollautomatisch. Als Physiker weiß ich ganz genau, wie man so was programmiert.
Das Wasser kühlt sich ab und erwärmt sich dann wieder für mich. Warme und kalte Duschen abwechselnd sind gesund.
Greifarme drücken mir ein Handtuch gegen den Körper und beginnen, die Haut trockenzurubbeln. Gleichzeitig bläst der Phön nun warme Luft auf meinen Kopf.
Das Frühstücksbrot liegt schon geschmiert auf dem Küchentisch. Der Kaffee dampft aromatisch in der Tasse.
Im Flur ziehen mir Greifarme Hemd, Hose, Socken und Schuhe an. Dann beginnen sie, die Schnürsenkel zuzubinden. Danach streifen sie mir meine Wetterjacke über.
Die Wohnungstür öffnet sich automatisch. Auch die Haustür geht ganz von selbst auf.
Mein BMW ist schon aus der Garage herausgefahren und wartet mit laufendem Motor und offener Fahrertür auf mich. Ich setze mich ans Steuer, woraufhin die Tür sofort zugeht und der Wagen losfährt. Den Weg zu meinem Arbeitsplatz kennt er ganz genau.
Dort allerdings muss ich alles noch auf altmodische Weise von Hand erledigen. Mein Chef hält nichts von Alltag 2.0 oder Androidautos.
Nach Feierabend gehe ich noch kurz in den Supermarkt einkaufen. Mein Kühlschrank hat mir die Einkaufsliste auf´s Handy gepostet, nachdem er seinen Inhalt überprüft hatte.
Auf meinem Magnetschwebekorb trage ich meine Einkäufe zum Auto. Die kofferraumklappe öffnet sich und lässt den Korb hineinschweben. Dann schließt sich die Klappe wieder.
Anschließend bringt mein selbstfahrender BMW mich wieder heim. Nachdem ich ausgestiegen bin, fährt er selbsttätig in die Garage.
Dann stehe ich vor der Haustür. Warum nur geht dieses blöde Biest nicht auf? Die Kamera müsste mich doch erkennen!
Glücklicherweise habe ich noch eine elektronische Schlüsselkarte. Aber sooft ich auch damit vor dem Schloss herumfuchtele; die Tür geht nicht auf. Mist!
Mit meinem Handy will ich die Steuerungseinheit überprüfen. Doch da steht nur die Meldung: „Zugang verweigert.“
Zwei Stunden lang versuche ich, mich in meine eigene Wohnungssteuereinheit einzuhacken. Schließlich stelle ich fest, dass sie mich selbsttätig ausgesperrt hat.
„Tom Kraft, Sie stehen auf der No-Fly-Liste der NSA“, lese ich dann. „No Fly, no Spy, Wohnung bye bye!“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: