Was Professoren vormachen: Wissenschaft schafft Macht ohne Wissen

24 Mrz

Meine Habil ist fast fertig. Ich bin auch schon ziemlich fertig. Allerdings nervt mich nicht die Arbeit an meiner Arbeit; vielmehr stört mich die Unkenntnis der meisten Professoren.

„Professor“ heißt „Vormacher“. Die meisten Professoren machen nicht nur ihren Studis was vor; sie tun auch sonst so, als wüssten sie Bescheid.

Bescheid stößt ihnen jedoch kaum jemand, wenn ihr Versagen offensichtlich zutage tritt. Wer erst einmal C4 hat, hat einen gut bezahlten Job ohne allzu viele störende Pflichten.

Vernebeln wollen die meisten das mit aufgeblasenem Geschwafel. Je unverständlicher jemand schwadroniert, desto eher kann er sein Unwissen verheimlichen.

Beliebt ist auch die Beschäftigung mit „Nischenthemen“. Wer als Einziger über eine seltene Orchidee forscht, braucht bessere Kenntnisse anderer kaum zu fürchten. Deswegen wenden sich viele Professoren absolut ausgefallenen Forschungsinhalten zu.

Inhalte müssen sie dabei kaum vorweisen. Im Zweifel können sie ja darauf verweisen, dass sie als Einzige an der Erforschung der betreffenden Inhalte arbeiten.

Arbeiten muss so ein Professor auch nicht gerade allzu viel. Im Zweifel lässt er sogar seine Sprechstunde ausfallen, weil er gerade mit Wichtigerem beschäftigt ist.

Wichtig tun muss so ein Hochschul-Leerer aber unbedingt. Schließlich soll man ihn ja wichtig nehmen.

Nehmen wird er dann vor allem das üppige Salär und die durch viel Copy&Paste eigener Texte eingeheimsten Lorbeeren. Den Lorbeerkranz windet er sich selbst, weil ja nur er versteht, welch wesentliche Ergebnisse er erzielt hat.

Nehmen wird er möglichst auch viele Drittmittel. Diese Gelber braucht er für seine Reputation ebenso wie für sein Standing an der Uni.

Drittmittel sind Geschenke befreundeter Pharma- oder Technik-Konzerne, sofern der Professor im medizinisch-pharmazeutischen Bereich, der Biologie oder Medizin sowie der Physik, Informatik oder anderen technischen Disziplinen angesiedelt ist. Für´s Hand-Aufhalten erstattet er Gutachten, die oft als „klinische Studien“ daherkommen.

Wie das Wort „Gutachten“ schon unmissverständlich verrät, ist dabei klar, dass das Produkt der befreundeten Firma gut ist. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Wer bezahlt, bestimmt das Ergebnis.

Das alles ist ziemlich verständlich. Verständlich ist auch, dass die meisten Professoren ihre einmalige Stellung mit Zähnen und Klauen verteidigen. Schließlich will keiner mehr arbeiten müssen, wenn er es einmal geschafft hat, mit einmal Arbeiten im Jahr reich zu werden.

Deswegen verteidigen sie alle vehement die Freiheit von Forschung und Leere. Darunter verstehen sie möglichst viel Freizeit von Forschung und Lehre.

Bald werde auch ich so ein Professor sein. Dann werde ich es ganz gewiss genauso machen wie die anderen. Ich bin ja nicht blöd!

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