Macht demonstriert: Demokratie muss modern

14 Jan

Talkshows sind mittlerweile out. In sind jetzt Demos. Da kann man sich als Politiker so richtig gut in Szene setzen.
Am Samstag gab es eine Generalprobe in Dresden. 35.000 Menschen wollten Pegida nicht die Straße überlassen. Die örtlichen Provinzpolitiker hatten zu dieser Demo aufgerufen und liefen in vorderster Reihe mit.
Sonntag waren alle in Paris. 1,5 Millionen Menschen sind dort für die Freiheit auf die Straße gegangen.
44 Staats- und Regierungschefs waren ganz vornean mit dabei. Eigentlich sind sie ja woanders herumgelaufen, aber für Fernsehbilder und Fotografen waren sie mittendrin in der Massendemonstration.
Am Dienstagabend waren dann alle beim Brandenburger Tor in Berlin. „Je suis Charlie“ lautete auch hier die Devise.
Eingeladen hatte der Zentralrat der Muslime in Deutschland. An seiner Seite sorgte sich auch der Zentralrat der Juden um das respektvolle Miteinander der Menschen. Prominente Unterstützung aus allen parteien erhielten sie bei ihrer gemeinsamen Kundgebung in Berlin.
Joachim Gauck, Angela Merkel und mehrere Minister zeigten sich engagiert. 10.000 Menschen bildeten die fotogene Fernsehkulisse für Händchen haltende Staatsmänner und -frauen auf der Multi-Kulti-Bühne.
So was macht sich gut. Da kann man sich nicht mal verplappern wie bei einer Talkshow. Außerdem muss man sich keine blöden Fragen von bescheuerten Talkmastern oder kluge Antworten anderer Talkgäste gefallen lassen.
„Der Islam gehört zu Deutschland.“ Das bestreitet dann höchstens die Junge Union in Hessen. Aber die hessische CDU pfeift ihren unbotmäßigen Nachwuchs binnen Stundenfrist schnell wieder zurück.
„Zu Pegida soll man nicht hingehen.“ Die Kanzlerin weiß, was sich gehört. Die Untertanen haben das gefälligst zu schlucken.
Pegida ist schädlich für den Wirtschaftsstandort Dresden oder gar ganz Ostdeutschland. Das hat der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung richtig festgestellt.
So geht Demokratie: Die Wirtschaft befiehlt und die Politik reicht die Orders brav weiter. Die biederen Bürger befolgen sie, wie es die Obrigkeit von ihnen auch erwartet.
„Lügenpresse“ ist schließlich das Unwort des Jahres 2014. Massendemonstrationen mit den Mächtigen werden dann wohl die Unart des Jahres 2015 sein.
Selbstverständlich haben alle was gegen Fremdenhass und rassistische Hetze. Zumindest beteuern das selbst die Verantwortlichen von CDU und CSU, während die bayerischen Parteifreunde eine Maut für Ausländer, Deutsch Sprechen in den heimischen vier Wänden und eine schnelle Abschiebung abgelehnter Asylbewerber fordern. Wer betrügt, der fliegt.
Vor zwei Jahren wollte die CSU noch Gotteslästerung nach §166 stärker bestrafen. Nun lieben sogar die frommen Bayern religionskritische Satire.
Machtgierige Populisten hängen ihr Fähnchen immer in den Wind. Am besten ist, wenn man diesen Wind auch noch selber macht. Da macht sich eine Masse mitlaufender Menschen ganz gut.
Mit ein paar demonstrativen Schrittchen auf gefühlsduseligen Demos lässt sich selbst schlechte Politik gut vermarkten. Da zeigt man Betroffenheit, damit das Volk vor lauter Besoffenheit nicht merkt, wie hintenrum die Grundrechte abgebaut werden.
Irgendwie kommt mir das bekannt vor mit den Massenaufmärschen von Politikers Gnaden. Wo war das bloß noch mal? War das damals die DDR oder waren das die Nazis?
Ach, das ist doch schon so lange her, dass sich kein Schwein mehr daran erinnert. Wer mit der Kanzlerin und dem Vizekanzler oder gar dem Präsidenten demonstrieren darf, der hat doch echt Schwein gehabt. Gegen sie demonstrieren ist natürlich eine unverzeihliche Schweinerei.

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