Es war einmal: Nach der Steinzeit kam irgendwann die Papierzeit

26 Jan

„Früher war alles besser“, sagen die Hysteriker. „Früher war alles anders“, sagen die Historiker.
Auf die Steinzeit folgten die Bronzezeit und die Eisenzeit. Zuletzt herrschte in Mitteleuropa und Amerika die Papierzeit, bevor nunmehr die Digitalzeit angebrochen ist.
In der Papierzeit lasen die Menschen dicke Bücher. Sie schrieben sich Briefe in Handschriften, die heute kaum einer entziffern kann. Große Aktenordner stapelten sich in Büros und archivierten Unmassen von Papier.
Um so einen Brief unbemerkt mitzulesen, musste man das Couvert ganz vorsichtig öffnen. Solche Briefe wurden damals nämlich in einen Umschlag aus Papier gesteckt, den der Absender dann sorgsam zuklebte.
Der Empfänger öffnete ihn dann wieder. Wenn das Couvert unbehelligt war, erkannte er daran, dass niemand den Brief zwischendurch geöffnet und gelesen hatte.
Diese primitive Form von Verschlüsselung mutet auf uns heute recht merkwürdig an. Aber die Papierzeitmenschen damals vertrauten auf sie.
Archäologen haben sehr lange und sehr persönliche Briefe gefunden. Die Papierzeitmenschen glaubten offenbar daran, dass es nur einen Gott gäbe, der sie überwacht. Politheismus lehnten die meisten strikt ab.
In einem ihrer vielen Bücher beschrieb ein gewisser George Orwell die Zukunft recht düster. „1984“ nannte er seine Beschreibung, die die Papierzeitmenschen seinerzeit als Horrorvision betrachteten.
Dabei war diese Beschreibung ziemlich harmlos. Die Digitalzeit konnte sich Orwell nur sehr vage vorstellen. Die gigantischen technischen Möglichkeiten moderner Überwachungstechnologie lagen weit außerhalb seines Vorstellungsvermögens.
Die Papierzeit war langatmig und langweilig. Manche Bücher waren viele tausend Seiten dick. Da es damals weder das Internet gab noch Filme oder auch nur das primitive Fernsehen, beschrieben die Autoren jede Kleinigkeit in ausführlichen Beschreibungen auf dem Papier.
Irgendwann ist die Papierzeit an sich selbst zugrunde gegangen. Nachdem jedes Jahr mehr als 50.000 neue Bücher gedruckt wurden, konnte keiner mehr alles lesen. Die Papierzeitmenschen erstickten letztlich in der Papierflut.
So ersannen sie die digitale Technik. Das Papier benutzten sie bald nur noch, um sich damit den Hintern abzuwischen. Am Ende war es eben einfach für den Arsch.

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