Hungern oder Fastenfasten: Neu denken ohne Runtermachen

22 Feb

Eigentlich hat die Fastenzeit ja schon am Aschermittwoch angefangen, aber die beiden großen christlichen Kirchen haben sie erst mal mit Fastenfasten begonnen. Heute haben sie dann aber doch mit dem Fasten los- und ihre entsprechenden Losungen vorgelegt.
„neu denken: Veränderungen wagen“, lautet der Werbeslogan ausgerechnet der Katholischen Kirche. Gemeint sind dabei Aktivitäten zum Schutz vor ökologischen Folgen des Klimawandels auf den Philippinen. Gemein wäre, wer dabei an einen Klimawandel im Vatikan denkt.
„Du bist schön: Sieben Wochen ganz ohne Runtermachen“, empfiehlt die Evangelische Kirche. Mich muss man da nicht evangelisieren oder katholisch machen: Das Kompliment „Du bist schön“ mache ich 52 Wochen im Jahr der einen oder anderen meiner Studentinnen.
Mit Fasten hat das allerdings wenig zu tun: Fast immer endet dieses Kompliment irgendwann mit einem Quicky oder gar einer gemeinsamen Nacht im Bett. Hinauskomplmentiert hat mich in all den Jahren nur ein einziges Mal eine Mieze, als ich das Kompliment „Du bis schön“ ergänzte um das wort „doof“.
Auf ihre Gesellschaft zu verzichten, war für mich aber eher eine Erlösung als Fasten. Unter „Fasten“ verstehe ich den Verzicht auf Annehmlichkeiten und Luxus.
Früher war für die Christen „Fasten“ ja noch Verzicht auf Nahrung oder wenigstens Fleisch und Süßes. Angesichts der verbreiteten Magersucht vieler junger Möchtegern-Models kann sich die Kirche dergleichen heutzutage aber wohl kaum wagen.
Hungern ist heute hipp: Viele Menschen hungern sich in abstrusen Diäten dürr und damit vermeintlich gesund. Sie hungern nach Liebe und Anerkennung oder nach Frieden und Mitmenschlichkeit.
Fastenfood – kurz auch „Fastfood“ genannt – ist verbreiteter denn je. Dabei verzichten die Konsumenten auf Qualität beim Inhalt und Zeit bei Herstellung und Verzehr.
Am Ende ist die Fastenzeit diejenige Zeit, die sich die Christenmenschen vom Munde absparen, um ihren Glauben nach außen zu dokumentieren. Mit den Muslimen eint sie dieses Verhalten durchaus: Im Fastenmonat „Ramadan“ hungern gläubige Muslime tagsüber öffentlich, um sich abends die Vampe vollzuschlagen.
Religiös unterfütterte Bulimie und fundamentalistische PR scheinen auf viele Menschen eine nahezu magische Faszination auszuüben: Der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) köpft nicht nur öffentlich wehrlose Geiseln, sondern beraubt auch etliche angebliche Muslime ihrer Köpfe und der darin angelegten Fähigkeit zu eigenständigem Denken. Angebliche „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands“ halten ebensowenig von fundiertem Wissen wie die mörderische Sekte „Boko haram“.
Offenbar ist inzwischen das ganze Jahr Fastenzeit: Das Gedankenfasten hat sich verbreitet wie ein Virus. Menschen werden nicht nur vor laufender Kamera geköpft, sondern legen ihen Kopf auch freiwillig ab.
„Habe den Mut, Deinen Verstand zu gebrauchen!“ Diese Aufforderung des Philosophen Immanuel Kant ist vielen heute fast unbekannt. Die beste Zeit wäre wohl jene, in der die Menschen zumindest beim Nachdenken nicht fasten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: