P wie Prothese: Kleines Lexikon der Behindertenarbeit von A bis Z

9 Nov

Allmählich wird´s bekloppt: Damit alle verstehen, was in der Behindertenszene zur Zeit so abgeht, habe ich ein Kleines Lexikon der Behindertenarbeit von A bis Z zusammengestellt. Diese List erhebt keinen Anspruch auf volle Beständigkeit.
Autismus
ist das, was neuerdings dermaßen in Mode ist, dass fast alle es haben. Braille
ist die Art, wie man Texte für Blinde gestochen scharf auf den Punkt bringt. Charme
ist das, was Behinderte einfach nicht haben können.
Demenz
ist das, was Politiker immer vor Untersuchungsausschüssen und Manager vor Gericht haben. E-Rolli
ist das, was nicht so leicht in jedem Bus oder Zug mitfahren kann. Freiheit
ist das, was Politiker immer fordern und Behinderte nicht immer haben. Glück
ist das, was Behinderte haben, wenn sie das tun können, was andere immer tun. Hektik
ist das, was Behinderte ausgrenzt, wenn andere sich ihm hingeben. Inklusion
ist das, wovon alle vollmundig sprechen und was wenige wirklich umsetzen. Jaguar
ist der Anfangsmonat für Hörbehinderte und kein Auto für Gehbehinderte. Klo
ist das, wo man mit dem Rollstuhl mitunter schwer draufkommt. Licht
ist das, was die meisten Blinden irgendwie doch noch sehen oder zumindest erahnen können. Marburg
ist das Mekka der Blinden und Anlass für manches Gemecker der Rollstuhlfahrer. Nachrichten
sind das, was Gehörlose nicht im Radio, Fernsehen oder der Zeitung mitkriegen, sondern bei Twitter. Orchideen
sind das, was manche gießen, während sie bei manchen sprießen, die Fächer dafür einrichten. Prothese
ist das, womit Läufer trotz Behinderung erfolgreich sein und sogar zu olympischen Ruhm gelangen können. Quatsch
ist das, was Gehörlose nicht verstehen.
Rampe
ist das, worüber der Rollsstuhl in manches Haus hineingeschoben wird. Stufen
sind das, was der Rollstuhl nicht allein überwindet.
Twitter
ist das Medium, das viele Behinderte nutzen, um jede Tasse Kaffee und jeden Gang mit dem Hund weltweit bekanntzugeben. Urlaub
ist das, was viele Behinderte niemals machen können, weil die notwendige Begleitung zu teuer wäre. Vereinsamung
ist das, was Behinderte nicht kennen, weil sie ja im Heim mit anderen Behinderten zusammenleben müssen. Weisheit
ist das, was eine Behinderung meist ganz ungefragt mit sich bringt. X-Chromosom
ist das, worüber Behinderungen wie „RP“ oder die Bluterkrankheit vererbt werden. Y-Chromosom
ist das, was normalerweise nur Männer haben, weshalb ein krankes X-Chromosom sie härter trifft als Frauen, die davon ein zweites haben, das dann meist doch gesund ist. Zeit
ist das, was Behinderte nach Auffassung aller anderen immer in Hülle und Fülle haben müssen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: