IS Silvester: Gefährlicher (T)Error in München

2 Jan

Ich warne Euch: Das kann brandgefährlich werden. Ihr müsst sofort reagieren und die Bahnhöfe räumen lassen!
So eine Warnung ist etwas Feines: Alle zittern vor Angst und tun, was man will. Ob die Warnung nun berechtigt ist oder jeglicher Grundlage entbehrt, spielt dabei kaum eine Rolle.
Schließlich kann keiner es sich leisten, auf eine Terrorwarnung nicht zu reagieren: Geschähe wirklich was Furchtbares, wäre er sofort erledigt. Wenn aber nichts passiert, dann kann er sich als vorausschauender Sicherheitspolitiker feiern lassen, der durch sein umsichtiges Handeln Schlimmeres verhindert hat.
Deswegen konnten wir München in der Silvesternacht nahezu völlig lahmlegen: Der Hauptbahnhof und der Bahnhof München-Pasing wurden geräumt, weil ein von uns angekündigter Anschlag drohte. Stundenlang fuhren dort keine Züge mehr.
Sieben Selbstmordattentäter aus Afghanistan oder Syrien haben wir der Münchener Polizei avisiert: Ob es sie wirklich gibt, mag man bezweifeln. Ob die geschilderte Gefahr real war, kann keiner mehr klären.
Allein die Abkürzung „IS“ reicht aber aus, um alle in Angst und Schrecken zu versetzen. Wenn es diesen „Islamischen Staat“ nicht schon gäbe, müssten wir ihn erfinden. Es gibt keine wohlfeilere Möglichkeit, Demokratie im Schweinsgalopp abzuschaffen und Geheimdiensten gleichzeitig noch mehr Macht zu verschaffen!
„IS“ ist immer recht. Rechte Anschläge locken zumindest in Deutschland ja keine Sau mehr hinterm Ofen hervor. Davon haben die vor allem in Sachsen schon mehr als genug.
So warnen wir also vor dem „IS“ und beschreiben das bedrohliche Szenario ganz detailliert. So etwas ist für uns keine Kunst.
Immerhin sind wir erfahrene Geheimagenten. Wenn wir warnen, muss man das ernst nehmen. Wir wissen, wo der Terror droht.
Auch wenn wir uns die ganze Geschichte nur ausgedacht haben, musste München die beiden Bahnhöfe schließen. Ein Anschlag hätte Hunderte oder gar Tausende von Menschenleben bedroht. Wenn es keine Syrer oder Afghanen gegeben hätte, dann hätten wir notfalls mit eigenen Leuten nachgeholfen.
Wir sind eben Profis: Wir wissen, wie man Angst schürt und wie man dann von dieser Angst profitiert. Wir wissen, wie man Demokratie aushebelt und Politiker gefügig macht.
Wir sind die wahre Macht hinter den scheinbar Mächtigen: Wir machen das, was bestimmt, was die Politik machen muss. Wir erfinden Terror, drohen damit oder setzen ihn um.
Bei alledem sind wir cool wie James Bond: Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen. Schließlich sind wir ja die, die die Demokratie in Unruhe versetzen.
Während die Polizei wie ein Haufen aufgescheuchter Hühner durch München patrouillierte, konnten wir in Ruhe die Früchte unserer Panikmache genießen. Ohne lästigen Lärm von Böllern und Raketen konnten wir in der Silvesternacht entspannt durch München schlendern. Um Mitternacht herrschte dort himmlische Ruhe.
Unsere Kollegen vom deutschen Verfassungsschutz und vom BND werden es uns danken: Dank dieser Drohung haben sie neue Argumente, um ihren Sicherheitspolitikern mit weiteren Vorschlägen zur Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung einzuheizen. was tut man nicht alles für gute Freunde und Kollegen?
Besonders gefreut hat sich aber unser Freund Lutz Bachmann: Er forderte die Flüchtlingshelfer, die monatelang immer am Münchner Hauptbahnhof gewesen waren, auf, jetzt wieder dorthin zu gehen. Dann könnten sie mal sehen, was sie von ihren geliebten Flüchtlingen haben!
Fremdenhass ist eben auch so etwas, womit man Angst schüren kann. Deshalb freuen wir uns über jeden Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim und sorgen dafür, dass möglichst wenige unser Kollegen verraten werden, die nachts hier und da mal fröhlich zündeln.
Wenn die deutschen Kollegen dann neidisch in die Nachbarländer gucken, wo die Anti-Terror-Gesetze schon viel weiter gediehen sind, dann schicken wir den armen Kollegen dort, wo da noch Nachholbedarf besteht, kurz mal eine Terrorwarnung rüber. Zudem sollen die ruhig auch mal ein Fußballspiel in Hannover oder ein Silvesterfeuerwerk in München absagen, wo die doch sonst immer bei allem viel besser dastehen als der gesamte Rest von Europa. Was Paris und Brüssel recht ist, das ist Hannover und München billig, oder?

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