Millionen Zuhörer: Erdogan redete drei Stunden

8 Aug

Mehrere Millionen Menschen haben sich gestern in Istanbul versammelt. Zu ihnen sprachen der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sowie die Vorsitzden von drei türkischen Parteien. Als Staatspräsident und Oberkommandeur der Streitkräfte hielt der AKP-Vorsitzende Rezep Tayb Erdogan dabei die längste Rede.
Drei Stunden lang lullte erdogan die Anwesenden bei gleißender Sonne und abendlicher Hitze ein. Offenbar hat der arme Mann sonst niemanden mehr, zu dem er reden kann.
Allerdings scheint das ein Problem vieler Diktatoren zu sein: Auch Kubas „Commandante“ Fidel Castro hielt während seiner aktiven Zeit gern mal Reden über acht bis elf Stunden hinweg. Die Machthaber in Nordkorea kommen seinem Rekord zwar nahe, beweisen aber nicht ganz so viel Durchhaltevermögen.
Sprechdurchfall ist wohl ein deutlich erkennbares Symptom für Diktatoren. Offenbar haben sie genug Zeit, aber zuwenig geneigte Zuhörer. Sobald sie das Maul aufreißen, rennen normalerweise alle davon in panischer Angst, sie könnten eine falsche Antwort geben.
Die AKP-Anhänger hingegen waren am Sonntag in Istanbul zum Zuhören verdammt. Da sie keine Widerworte geben konnten, mussten sie ausharren bis zum bitteren Ende.
Einmütig wandten sich alle Redner dort gegen den Putsch. Bei der Frage, wie die Demokratie in der Türkei künftig aussehen soll, ist diese Übereinstimmung dann aber ganz schnell schon futsch.
Erneut hat Erdogan dort die Todesstrafe befürwortet. Widerworte dagegen erhält er nur von Politikern aus der EU. Sie erklären, die Todesstrafe entferne die Türkei noch weiter von Europa, als sie es jetzt schon sei.
Aber in die EU möchte Erdogan wohl gar nicht. Da müsste er ja was von seiner Macht abgeben. Das macht er nie!
Pikant ist, dass Erdogan meinte, überall außerhalb Europas werde die Todesstrafe angewandt. Noch pikanter ist, dass es auch in Deutschland Befürworter der Todesstrafe gibt. Aber ganz offenkundig sind das meist genau diejenigen Rechtspopulisten, die sich auch für einen Austritt aus der EU stark machen.

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