So etwas gibt es heutzutage nicht: Der Alptraum klingt allzu unglaublich

11 Sep

„So was gibt´s bei uns nicht.“ Erwin verzog das Gesicht und machte eine wegwerfende Handbewegung. „Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert.“
Ich schaute ihm fest in die Augen. „Ich hab´s doch selber miterlebt“, erwiderte ich. „Ich war dabei.“
Erwin wich meinem Blick aus, als er antwortete: „Das hast Du garantiert nur geträumt. So was ist in Europa im 21. Jahrhundert völlig undenkbar.“
Wie sehr wünschte ich doch, ich hätte alles nur geträumt. Aber ich wusste, dass es wahr war. Doch wie sollte ich Erwin davon überzeugen?
„Hexenverbrennungen gab es im Mittelalter“, sagte Erwin bestimmt. „Heutzutage ist Europa ein zivilisierter Kontinent. Wir leben in einem Rechtsstaat.“
Ich lachte gequält: „Rechtsstaat scheint mir das rechte Wort für diesen rechten Mobb zu sein. Aber Staat machen kann der mit diesen finsteren Methoden nicht.“
Erleichtert sah Erwin mich an: „Nein, das können die Rechten nicht. Dieses Problem haben wir sicher und fest im Griff.“
Ich dachte daran, dass im ersten Halbjahr 2016 jeden Tag zwei rechtsradikale Gewalttaten verübt worden sind mitten in Deutschland. Ich dachte daran, dass Flüchtlinge in manchen Gegenden Freiwild sind für selbsternannte „Retter“ des „Abendlands“.
Vor allem aber dachte ich an die junge Frau, die ich hatte brennen sehen. Nur drei Sekunden hatte ich zugeschaut, wie sie unter dem Gejohle des rechten Mobbs verbrannte.
Vollkommen nackt war sie gewesen, wie sie im Schein der Flammen dastand und schrie. „17 Jahre altes Brennmaterial“, hatte der Anführer des Mobbs grinsend gesagt.
Ich musshte an ihren Vater denken, dem ich ins verweinte Gesicht geschaut hatte. Was war das doch für eine wahnsinnige Welt!
Mir wurde speiübel. Der brechreiz schnürte mir die Kehle zu. Die Bilder in meinem Kopf raubten mir jede Nacht wieder den Schlaf.
„Wir müssen was tun“, sagte ich zu Erwin. „Wir müssen jetzt sofort ganz dringend was tun!“

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