Da ist die Sau: Der Alptraum schlägt zu

12 Sep

„Da ist die Sau“, sagte einer. „Fasst ihn! Macht ihn fertig!“
Ich sah, wi fünf junge Männer einen Mann mittleren Alters packten. Sie schlugen auf ihn ein, ohne dass er sich wehren konnte. Dann warfen sieihn zu Boden und begannen, ihm in den Unterleib, die Brust und ins Gesicht zu treten.
Der Mann schrie; aber es half ihm nichts. Wie gebannt starrte ich auf das Geschehen, ohne einzugreifen.
Die Schreibe wurden lauter und röchelnder. Ich zog mein Handy heraus und wählte den Notruf. „Wir kommen“, sagte der Mann von der Polizei. „Bleiben Sie vor Ort!“
Als ich wieder hinüber zu den fünf Männern und ihrem Opfer blickte, sah ich, wie einer dem Mann einen heftigen Fußtritt versetzte. „Los“, rief ein anderer und zerrte an seinem grinsenden Kumpan.
Dann rannten alle fünf eilig davon. Vorsichtig ging ich auf die Stelle zu, wo das Opfer der Neonazis lag. Ich kniete mich neben ihm auf die Straße und tastete nach seinem Kopf.
Vorsichtig schob ich meinen Arm unter seinen Kopf. Beruhigend strich ich dem Fremden über die Wange und über´s Haar. Ich traute mich jedoch nicht, nach seinen Wunden zu tasten.
Der Mann röchelte. „Gleich kommt Hilfe“, sagte ich zu ihm. „Haben Sie keine Angst!“
Der Mann verstand mich nicht. Mit großer Mühe brachte er einige Worte in einer Sprache hervor, die ich nicht verstand. Dann hörte ich Martinshorn, einen Motor und quietschende Reifen.
Polizisten und Sanitäter kamen herbei. Die Rettungskräfte kümmerten sich um den Mann. Taumelnd erhob ich mich.
„Es waren fünf Neonazis“, berichtete ich und begann, die geflüchteten Männer zu beschreiben. „Sie müssen noch ganz in der Nähe sein. Der Überfall ist höchstens fünf Minuten her.“
Ein Polizist ging zum Streifenwagen und gab meine Beschreibung durch. Derweil verfrachteten die Sanitäter das Opfer in ihren Rettungswagen und fuhren mit Martinshorn davon.
„Das wird der nicht überleben“, raunte der zweite Polizist seinem Kollegen zu, der gerade vom Streifenwagen zurückkam. Dann nahm er meine Personalien auf.
„Wissen Sie, wer das Opfer war?“ Meine Frage beantwortete der Polizist, indem er mir einen Ausweis vor die Nase hielt. „Den trug er bei sich“, erklärte der Beamte.
Es war ein türkischer Pass. Auf dem Passbild erkannte ich den Mann, den die fünf Skinheads brutal fertiggemacht hatten. Der Geburtsort des Mannes war Diabakir.
„Kurde“, murmelte ein Polizist. „Die Täter waren Neonazis“, sagte ich zu ihm. „Einer hat während der Tat den Hitler-Gruß gezeigt.“
Die Polizisten schrieben sich meine Personalien von meinem Ausweis ab. Dann verabschiedeten sie sich. Einer reichte mir zum Abschied die Hand.
Ich kam mir schäbig vor: Hätte ich nicht früher eingreifen müssen? Hätte ich denn überhaupt früher eingreifen können?
Mir wurde übel. Mit Magenschmerzen und einer verwundeten Seele ging ich nach Hause. Wo ist überhaupt mein Zuhause, wenn die Nachbarn ringsum so aus dem Häuschen sind und brutal auf Fremde einschlagen?

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