Chance auf Frieden: Hackerangriff gegen Hacker war erfolgreich

12 Dez

Bis zur Morgenrunde hatte Tom kein Auge zugetan. Allerdings konnte er dort einen ersten Erfolg vermelden: „Der Gegenangriff auf die angreifenden Systeme wurde erfolgreich durchgeführt.“
Der Bundesinnenminister hatte das gesamte Kabinett um sich versammelt. Die Kanzlerin ergriff das Wort: „Erst einmal möchte ich Ihnen zur neuen Professur gratulieren, Herr Kraft“, sagte sie freundlich und ein wenig schelmisch.
„Danke“, antwortete Tom. „Das Internet in Russland ist nun weitgehend tot“, fuhr er fort.
„Das Gerät für Sie, Frau Merkel, ist auch bereits unterwegs“, ergänzte er. „Derzeit räumen wir die Internetstrukturen weltweit auf.“ Minister de Maiziere hakte nach: „Weltweit? Was bedeutet das?“
Tom erklärte die laufende Aktion nur in Ansätzen: „Alle Systeme, die das Potenzial haben, unsere technische Infrastruktur anzugreifen, werden unschädlich gemacht. Damit verhindern wir für die nächste Zeit weitere derartige Aktionen“
Merkel schien als erste zu begreifen, was das bedeutete: „Wird etwa auch die NSA angegriffen? Werden Systeme in China angegriffen?“
Tom bestätigte ihren VErdacht: „Alle derartigen Systeme werden unschädlich gemacht. Im Übrigen betrifft das auch die Systeme des BND.“
Merkel protestierte: „Diese Systeme benötigen wir aber dringend. Das ist Sabotage.“
Tom reagierte cool: „Die Anlage des BND in bad Aibling wurde von der NSA genutzt. Was über das GCHQ im NSA-Untersuchungsausschuss gesagt wurde, gilt auch für den BND: Er ist ein Teil der NSA.“
Was Tom nicht berichtete, war die Tatsache, dass seine KC2 zunächst die Daten der betreffenden Systeme abfischten und kopierten, bevor sie dann die jeweiligen Speicher löschten und neu formatierten. Die gesamten Daten der NSA, Russlands, Chinas, des GCHQ, des BND und anderer Dienste würden bald auf seinen KC2-Speichern vereint sein. Das durfte niemand wissen, denn das war brandgefährlich.
Die Kanzlerin klang nun ein wenig versöhnlicher, als sie Tom wieder ansprach: „Ihr Gerät schlägt ein Telefonat mit Vladimir Putin vor, in dem ich ihn auffordern soll, alle Hackerangriffe aus seinem Land künftig zu unterbinden und das Minsker Abkommen sofort vollständig umzusetzen. Außerdem hat es mir das Versprechen abgenommen, Edward Snowden in Deutschland Asyl zu gewähren.“ Tom grinste: „Werden Sie den Vorschlag umsetzen?“ Merkel antwortete nur: „Ja!“
Dann ergänzte sie: „Ihr Gerät hat ein Friedensabkommen für Syrien ausgearbeitet, das das sofortige Ende aller Kampfhandlungen und eine friedliche Machtübergabe vorsieht. Ebenso hat es einen Entwurf für ein internationales Abkommen zum Verbot von Cyberwar und Waffenhandel ausgearbeitet.“
Tom strahlte, als Merkel fortfuhr: „Die Chancen werden sehr hoch bewertet, dass alle Vereinbarungen ebenso wie der beschleunigte Ausstieg aus der Atom-
und Kohleenergie zu erreichen sei. Lediglich den Umgang mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump schätzt Ihr Algorithmus für problematisch ein, weil er sich nicht immer logisch verhalte.“
Tom stöhnte: „Das ist wohl wahr. Aber vermutlich wird man da später auch noch irgendwelche Strategien finden können.“
Merkel pflichtete ihm bei: „Ihr KC1 veranschlagt eine Beobachtungsphase von drei bis sechs Monaten, um eine Basis zur berechenbarkeit von Trump zu gewinnen. Ohnehin ist kein Mensch absolut fehlerfrei berechenbar.“
Hier pflichtete Tom der Kanzlerin bei. „Auf mich und uns kommt viel Arbeit zu“, sagte sie. „Aber zu Ihrer Antrittsvorlesung werde ich nach Marburg kommen.“
Tom fragte nach: „Wissen Sie denn schon, wann das sein wird?“ Merkel zögerte: „Noch nicht, aber vermutlich noch im Januar nächsten Jahres.“
Merkel verabschiedete sich: „Eben ruft Putin bei mir an. Ich muss mich also von Ihnen verabschieden.“
Tom wünschte ihr „viel Glück“. Ihm war klar, dass der russische Präsident das Messer in der Tasche wetzte, jetzt aber gezwungen war, klein beizugeben.
„Edward Snowden“, meldete ihm sein KC2 nur wenige Sekunden, nachdem die Morgenkonferenz beendet war. Erfreut stellte er fest, dass es gelungen war, auch dem berühmten Whistleblower ein KC1 zukommen zu lassen.
„Where are You“, fragte Tom. „I´m in Germany“, antwortete Snowden. „But I´m not yet here officially.“
Tom schlug ein Treffen vor. Er fieberte der Chance entgegen, den berühmtesten Whistleblower der Welt bald persönlich kennenzulernen. Umso erstaunter war er, als Snowden ihn aufforderte, Snyders mitzubringen.
„She´s a Friend of mine“, erklärte Snowden. „She has already been working with NSA since four Years.“ Tom wunderte sich: „She has only 22 Years. She must have begun very young.“
Snowden lachte: „She started working with NSA, when she was 18. She ´s in Love with You and You should pardon her for being a thief.“
Tom wusste, dass er dieser wunderschönen Frau vergeben würde. Dennoch spürte er auch Trauer über den Verrat und Sorge vor künftigem Fehlverhalten, wenn er an sie dachte.

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