Worldwide Cyberwar: Hackerangriff legt Kriegstechnik lahm

16 Dez

Der gepanzerte Wagen setzte sich in Bewegung. Julia Reilstein folgte allein in ihrem zivilen Dienstwagen. Währenddessen brauste von Weitem ein Streifenwagen mit Martinshorn heran und hielt mit quietschenden Reifen vor der Bäckerei.
„Diesmal sind es seriöse Kollegen“, sagte Köhler zu Tom. Der Hubschrauber der GSG9 ist auch in einer halben stunde vor Ort.“
snyders lehnte ihren Kopf an Toms Schulter: „Was waren das für kleine Kugeln, die da aus Deinem KC1 in die Luft aufgestiegen und nach der Aktion wieder dort verschwunden sind?“ Tom streichelte zärtlich ihre Wange.
„Das waren zwei Mini-Drohnen“, erklärte er. „Das ist der Schutzmechanismus, den ich eingebaut habe, um das Gerät und seinen Besitzer vor unerlaubtem Zugriff zu schützen.“
Seine Hand strich über ihr Haar. „Eine Drohne filmt und verschickt Videos oder projiziert sie auf jede geeignete Fläche“, erklärte er. „Die andere ist eine Kampfdrohne, die Angreifer unschädlich macht.“
Köhler drehte sich kurz um: „Mit welchen Methoden macht sie das denn? Irgendwie schienen die drei Herren doch geradezu erstarrt zu sein.“
tom lachte leise: „Das Gerät kann Herzschlag und Hirnfrequenz steuern und Menschen so in ihren Gedanken und Bewegungen extrem verlangsamen“, erklärte er. „Zusammen mit der psychologischen Wirkung des Erlebnisses, die den dreien vermutlich ordentlich Angst eingejagt hat, reicht das für vielleicht zwei oder drei Stunden völlig aus.“
Köhler lachte: „Die waren wirklich fertig. Dabei war vor allem dieser Kosinski ein knallharter Kerl, der anfangs bereit schien, über Leichen zu gehen.“
Snyders nickte: „Ja, der war wirklich furchteinflößend. Allerdings frage ich mich, was der mit Dalini zu tun hat.“
Tom zog seinen KC2 aus der Hosentasche. „Fragen wir doch mal unser Superhirn“, schlug er vor. „Was hat Kosinski mit Dalini zu tun?“
Das Gerät antwortete prompt: „Kosinski ist Agent des russischen Geheimdiensts FSB und gleichzeitig des US-Geheimdiensts CIA. Er bekam einen Auftrag von seinem V-Mann Eyecatchup.“
Snyders fragte: „Wer ist Eyecatchup?“ Wieder antwortete das Gerät: „Nach CIA-Unterlagen handelt es sich um Evelin Mirschler aus Berlin. Allerdings ist in Berlin keine Evelin Mirschler gemeldet.“
Wieder einmal pfiff Köhler anerkennend durch die Zähne: „Wenn wir für unsere Ermittlungen solch ein Gerät hätten, würden wir jeden Ganoven schon vor der Tat stellen. Dann gäbe es bald keine Verbrechen mehr.“
Sein Kollege am Steuer mischte sich kurz ein: „Und keine Arbeit mehr für uns!“ Köhler nickte nachdenklich.
Im Autoradio kamen die Nachrichten. „Weltweit gibt es Irritationen um verschwundene Seiten im Internet“, berichtete der Nachrichtensprecher. „Zahlreiche Konten auf Facebook und Twitter sind spurlos verschwunden.“
Tom lachte laut. „Brav“, sagte er. „Meine Technik hat alle Fakes und Hasspostings gleich mitsamt den zugehörigen Accounts gelöscht.“
Alle vier Insassen in der Limousine lachten. Dann wies Snyders den Fahrer an, an der nächsten Gabelung rechts abzubiegen.
„Wollen wir bald eine Mittagspause einlegen?“ Köhler drehte sich zur Rückbank um. „Es ist fast schon Zwei.“
Snyders antwortete erst, nachdem sie ihr Handy bedient hatte. „20 Minuten von hier ist ein kleiner Landgasthof“, erklärte sie. „Da sollten wir zu Mittag essen.“
Tom knuffte sie in die Seite. „Bis dahin ist mein Magen schon so laut am Knurren, dass man uns kaum noch reinlassen wird“, witzelte er. „Aber wenn es da dann noch was Warmes gibt, soll´s mir recht sein.“
Snyders hielt ihm ihr Handy hin: „Hier ist die Speisekarte. Ist da was für Dich dabei?“
Tom schob das Mobiltelefon beiseite: „Das Leckerste sitzt hier neben mir. Das werde ich bei nächster Gelegenheit gierig vernaschen.“
Snyders lächelte: „Denk daran, dass wir hier nicht allein sind, Tom!“ Sie wollte das Handy gerade wegstecken, als sie bei einem Blick darauf stutzte.
„Putin spricht von Cyberwar und droht den USA mit Krieg“, las sie vor. „Merkel kündigt Gipfeltreffen zur weltweiten Krise des Internets in Berlin an.“
Tom schmunzelte: „Merkel macht, was ihr Gerät ihr vorschlägt. Die internationale Konvention gegen Cyberwar ist schon ausformuliert.“
Nach einer Kurve tauchte am Straßenrand ein Landgasthof auf. Auf dem Parkplatz davor standen mehrere Autos. Die Limousine stoppte.
Köhler, Snyders und Tom betraten das Restaurant. Die beiden anderen Kriminalbeamten blieben draußen in ihren Autos.
Das Trio setzte sich an einen freien Tisch. Alle drei bestellten ein gutbürgerlich deutsches Mittagessen und je ein nichtalkoholisches Getränk.
Toms KC2 extrahierte für ihn die aktuellen Nachrichten. Demnach waren verschiedene Regierungen der Auffassung, ihre Infrastruktur sei durch einen Hackerangriff massiert geschädigt worden. Die Rede war von einem „Worldwide Cyberwar“.
Auch die bundesdeutschen Geheimdienste beklagten Angriffe auf ihre Systeme. Das KC2 erklärte die Nachrichten damit, dass alle kriegsrelevanten Systeme weltweit kampfunfähig und alle Datensammlungen von Geheimdiensten gelöscht worden seien.
Tom grinste. Synders klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. Köhler machte ein eher nachdenkliches Gesicht.
Tom beruhigte ihn: „Alle wichtigen Daten sind gesichert. Nichts ist unwiederbringlich gelöscht; aber gefährliche Daten wurden entschärft.“
Köhler überzeugte diese Auskunft nicht: „Wenn jemand unbefugt an diese Daten herankommt, die nun wohl in Ihrem System vereint sind, dann kann er damit ja die übelsten Schäden anrichten. Das vermag ich mir gar nicht auszudenken, was dann geschehen könnte.“
Das Essen kam und unterbrach das Gespräch. Zwar redeten die drei weiter; aber vor allem genossen sie ihr köstliches Mittagsmahl.
etwa 20 Minuten später betrat ein Mann den Gastraum. Seine Basecap hatte er tief in die Stirn gezogen. Kurz schaute er sich um, bevor er dann auf den Tisch der drei zusteuerte.
„Ed“, sagte Snyders. „How I love to see You!“ Edward Snowden ging um den Tisch herum und umarmte sie. „Hi, Tom!“

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