Konvention gegen Cyberwar: Hackerangriff führt zu G20-Gipfel

17 Dez

Stundenlang saßen sie so in der Gaststube und sprachen angeregt miteinander über Hacker, Hackerangriffe und die Gegenwehr dageben sowie Geheimdienste und ihre schier grenzenlose Neugier. Wenn Tom und Ed über technische Dinge redeten, dann kamen Köhler und Snyders nicht mehr mit. Meist aber unterhielten sich alle drei miteinander, wobei Tom und Ed schon den größten Anteil am Gespräch hatten.
Die ersten zwei Stunden beachtete kaum jemand die drei Männer und die junge Frau am Tisch. Gelegentlich kam die Bedienung vorbei und nahm Bestellungen auf oder brachte kalte und warme Getränke. Angeregt unterhielten sich die drei Männer und die Frau miteinander, während sie gelegentlich etwas tranken oder über einen Scherz lachten.
Die Gaststube hatte sich weitgehend gelehrt. Nun aber betraten vier Männer den Raum. Drei waren Ende 20 bis Anfang 30, der Vierte wohl Mitte 40.
„Kunkel, Schmickler, Weinmeister und Polizeirat wolfgang Schätzle von der Bundespolizei“, meldete Toms Kc2 automatisch. „Das sind genau die Namen, die mir auch angekündigt wurden“, bestätigte Köhler und verglich Fotos auf seinem Handy mit den Eintretenden.
Nach einem kurzen Blick zu Köhler nahmen die Neuankömmlingean einem Tisch in einer anderen Ecke des Raums Platz, von wo sie eine gute Sicht auf die Marburger und Snowden wie auch auf die Eingangstür und die Theke hatten. Drei von ihnen bestellten ein Mittagessen, obwohl es bereits Nachmittag war.
„Draußen sind noch die Kollegen Kolbert und Fellmeyer von der GSG9“, sagte Köhler. „Gimmig und Reilstein werden abgelöst.“
Kaum hatte er das gesagt, da betraten Gimmig und Reilstein den Raum. Sie nahmen an an einem anderen Tisch Platz, von wo aus sie eine ebenso gute Sicht auf Alles hatten wie die Bundespolizisten.
Die Bedienung brachte auch ihnen noch je ein Mittagessen, während Tom sich ein Stück Kuchen zum Kaffee gönnte. Snyders trank Kakao, während Snowden und Köhler ebenfalls Kaffee bevorzugten.
Allmählich wurde es Abend. Andere Gäste betraten das Lokal. Jedesmal nannte Toms KC2 ihre Namen und meist einen Wohnort in der Nähe.
„Wir sollten noch zusammen zu Abend essen“, schlug Tom vor. Noch einmal ließen sie sich die Karte bringen und wählten daraus ihr Abendessen aus. So wurde es 20 Uhr, während sie ihr gemeinsames Mahl verzehrten.
Ein Gong ertönte. Auf einem Großbildschirm hinter der Theke sahen alle die Tagesschau.
„Guten Abend, meine Damen und Herren“, begrüßte der Sprecher die Zuschauer. „Die Bundesregierung lädt zu einem Gipfeltreffen der G20 über die weltweite Internet-Krise nach berlin ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt dazu jetzt life Stellung in der Tagesschau.“
Die Kanzlerin erschien im Bild. Sie wirkte aufgeräumt und begrüßte die Zuschauenden.
„Die weltweiten Irritationen um Unregelmäßigkeiten im Internet sind beigelegt. Zu dem dazu vorbereiteten G20-Gipfel in Berlin nächste Woche haben alle Eingeladenen ihr Kommen zugesagt“, berichtete sie. „Präsident Obama wird von seinem Nachfolger Donald Trump begleitet.“
Kurz skizzierte sie, dass eine UN-Konvention gegen Cyberwar in Aussicht stehe. Dann wandte sie sich einem anderen Thema zu: „Im Übrigen hat die Bundesregierung Edward Snowden Politisches Asyl gewährt.“
Dieser Entschluss stehe in keinem Zusammenhang mit der Internet-Krise, beteuerte Merkel. Abschließend dankte sie allen, die zur Bereinigung dieser Kriese beigetragen hättben.
Nach diesem Statement schaltete der Tagesschau-Sprecher zu einem Reporter um. Er stand in Marburg auf den Lahnbergen vor Toms Institut.
„Maßgeblichen Anteil an der Behebung der Internet-Krise schreiben informierte Kreise dem Marburger Physiker Dr. Tom Kraft zu“, sagte der Journalist. „Unbestätigten Gerüchten zufolge ist er gestern zu einem persönlichen Treffen mit dem Whistleblower Edward Snowden an einem unbekannten Ort aufgebrochen. Nach Auskunft seiner Hochschule hat Kraft eine Art Quantencomputer entwickelt, dessen Rechenleistung alle bisher erreichten Grenzen sprengt. “
Auf dem Bildschirm erschien eine kurze Bildsequenz, auf der Tom zwei Sätze zum Prinzip des Quantencomputers sprach. Danach erschien eine ebenso lange Filmsequenz mit Snowden.
Anschließend wandte sich der Sprecher einem anderen Thema zu: „In Sachsen wurden heute 23 Personen wegen des Verdachts der nachrichtendienstlichen Tätigkeit für eine fremde Regierung festgenommen“, sagte er. Sein Kollege aus Dresden berichtete dann, dass es sich überwiegend um Politiker der AfD, Aktive von Pegida sowie einen Polizeibeamten aus Bauzen handele.
„Your KC2 works quite well“, bemerkte Snowden und klopfte Tom anerkennend auf die Schulter. Snyders grinste. Auch Köhler konnte sich ein Feixen nicht verkneifen.
Die Bedienung kam an den Tisch. „Darf ich Ihnen noch etwas bringen, Herr Kraft?“ Forschend schaute sie dabei Snowden ins Gesicht.
Tom war, als gaffe die gesamte Kneipe zu ihrem Tisch herüber. „Ein großes Bier für mich“, antwortete tom der Kellnerin. „Wollt Ihr auch noch was?“
Als die Bedienung die Getränke brachte, fragte sie: „Kann ich von Ihnen beiden ein Autogramm bekommen? Wir haben noch nie so berühmte Gäste hier gehabt.“
Dabei errötete die junge Frau. Tom winkte ab: „Autogramme gebe ich nur meinen Studentinnen“, erklärte er mit einem breiten Grinsen. „Meist stehen Noten dabei.“
Dann sah er auf seinen KC2. „Heiraten Sie Winfried Keller! Nennen Sie Ihren Sohn Tom Edward; und Tom und Edward kommen jedes Jahr zur Feier dieses Jahrestags hierher.“
Die Kellnerin sah Tom verblüfft an. „Winfried?“ tom nickte: „Herr Keller ist total verknallt in Sie.“ Tom zahlte für alle. Der Bedienung gab er ein großzügiges Trinkgeld. „Bis nächstes Jahr“, sagte er. Dann stand er auf.
Zwei Beamte der Bundespolizei erhoben sich sofort und gingen voran zur Tür. Schätzle und der andere Polizist gingen hinter Snowden und den drei Marburgern her.
Draußen saßen zwei junge Männer in einem dicken Mercedes mit „SU“-Kennzeichen. „Das ist die GSG9 aus Sankt Augustin“, sagte Köhler.
„Ich begleite Sie noch ins Hotel und morgen nach Marburg“, fuhr er fort. „Dann übernehmen die Kollegen der Bundespolizei Ihren Schutz.“
Schätzle trat an Tom heran. „Gestatten, Schätzle von der Bundespolizei“, stellte er sich vor. „Ich freue mich, Sie kennenzulernen, Herr Polizeirat“, antwortete Tom.
Auch Snowden schüttelte Schätzle die Hand. Mit einem Handschlag verabschiedete er sich auch von Köhler, bevor er Tom kurz umarmte. Die Umarmung Snyders fiel wesentlich inniger und länger aus.
In ihrem gepanzerten Wagen fuhren die vier Marburger anschließend zu einem Landgasthof drei Dörfer weiter. Vor dem Haus stand ein dicker Daimler mit „SU“-Kennzeichen. Inihm saßen zwei junge Männer, die das Haus und die Straße beobachteten.

Werbeanzeigen
%d Bloggern gefällt das: