Spionage und Verrat: Hackerangriff löst Liebesaffäre aus

18 Dez

Im Frühstücksraum saßen insgesamt zwölf Beamte der Bundespolizei an drei verschiedenen Tischen über den Raum verteilt. Köhler, sein Marburger Kollege, Snyders und Tom unterhielten sich über den vorangegangenen Tag. „Ihr Gerät hat die russischen Spione aufgedeckt“, mutmaßte Köhler zutreffend.
„Es gibt noch viel mehr davon“, bemerkte Tom. „Die anderen lässt man noch zappeln und sich in Sicherheit wiegen, um bei passender Gelegenheit zuzugreifen. Russische Agenten sind nicht nur in Sachsen aktiv.“
Köhler nickte. „Das ist klar“, betonte er. „Aber in Sachsen haben sie rechtsradikale Strukturen maßgeblich mit aufgebaut.“
Tom widerholte: „Nicht nur in Sachsen!“ Er ergänzte: „Fast die Hälfte der Neonazis sind entweder russische Agenten oder V-Leute vom Verfassungsschutz.“
Köhler schaute ihn ungläubig an. „So viele?“ Tom nickte: „Ohne die Geheimdienste wären die Rechten recht schwach auf der Brust.“
Snyders lachte. „Die Rechten recht schwach finde ich gut. Ohne Rechte hätte der Verfassungsschutz auch recht wenig zu tun.“
Tom knuffte sie in die Seite: „Du als Spionin weißt ja sicher, wovon Du sprichst. Die Dienste bauen sich ihre Feinde auf, damit sie sie dann bekämpfen können und überhaupt eine Existenzberechtigung haben.“
Snyders sah ihn kurz irritiert an. Dann erklärte sie: „Wir haben uns unsere Targets auch selber geschaffen, indem wir immer mehr Algorithmen entwickelt haben, die alles und jeden für verdächtig erklärt haben.“
Tom blickte sie an. „Ich war in die NSA gekommen, weil ich Hacker war und Abenteuer suchte“, berichtete sie. „Da habe ich dann Ed kennengelernt.“
Köhler betrachtete die junge Frau nachdenklich. „Ed hat gesagt, dass Du da in Deutschland wohl was Spannendes entwickelst. Er hat der Firma vorgeschlagen, mich auf Dich anzusetzen, weil ich zweisprachig bin.“
Tom sah seiner Geliebten in die Augen. „Mein Auftrag war, herauszufinden, was Du entwickelst und wie weit Du bist“, berichtete sie. „Die Rede war von einem Brain-Interface und einem Quantencomputer.“
Tom schwieg, während Snyders fortfuhr: „Als dann die Telekom abgestürzt ist, bekam ich die Anweisung, mich möglichst schnell an Dich ranzumachen, weil es hieß, Du wärst für die Gegenwehr im Gespräch. Also habe ich Dich angebaggert auf Teufel-komm-raus.“
Tom sah ihr direkt in die Augen, während sie weiterredete: „In der Mensa kam Triftler dann und hat Dich so verklausuliert angesprochen, dass mir klar war, dass Du irgendeine Erfindung fertig haben müsstest. Das habe ich der firma berichtet.“
Snyders blickte kurz zu Boden, bevor sie fortfuhr: „Das Gerät sollte ich stehlen und meinem Führungsoffizier geben, lautete der Auftrag. Mir war jedoch schnell klar, dass Dein KC1 weit mehr war, als die NSA sich überhaupt vorgestellt hatte, und dass sie Wochen oder gar Monate benötigen würden, die Technik zu ergründen.“
Tom grinste: „Und da hast Du gedacht, es schadet nix, wenn ich´s ihnen gebe, oder wie?“ Snyders nickte.
„Ich musste meinen Auftrag erfüllen, obwohl ich mich in Dich verliebt hatte“, erklärte sie. „Sonst hätten sie andere Wege versucht, an Dich und das Gerät heranzukommen. Außerdem meinte Ed, ich dürfe mich nicht gefährden und Verdacht erregen, da ich ja weiterhin mit ihm in Verbindung stand, wovon die anderen nichts wussten.“
Tom wog den Kopf hin und her. „Also habe ich Dalini und die Hintermänner in Berlin ans Messer geliefert, ohne dass ich sie verpfiffen habe“, sagte Snyders. „Deine Technik ist so gut, dass sie das alles hingekriegt hat, ohne dass ich Verdacht erregt habe.“
Tom sah Snyders prüfend an. Sie wich seinem Blick aus. „Aber ich habe es nicht mehr ausgehalten ohne Dich“, sagte sie, “ und vor allem Deine Enttäuschung über meinen Verrat.“
Mit Tränen in den Augen lehnte sie sich an ihn. „Ich liebe Dich, Tom. Bitte verzeih mir, dass ich Dich hintergangen habe!“
Tom strich ihr über das lange blonde Haar. Dann sah er zu Köhler hinüber, der auf seine Armbanduhr schaute. „Wir sollten bald aufbrechen“, schlug Köhler vor.
Draußen stiegen die vier Marburger wieder in ihren Mercedes. In einem Daimler mit „SU“-Kennzeichen saßen zwei junge Männer und beobachteten die Umgebung. „14 Kollegen von der Bundespolizei“, zählte Köhler zusammen.
Er startete den Motor des gepanzerten Autos. „Offenbar habe ich die beiden meistgefährdeten Männer Deutschlands beschützt“, stellte er ein wenig verwundert fest. „Snowden und jetzt auch Sie, Herr Kraft, sind wohl noch mehr in Gefahr als der Bundespräsident und die Kanzlerin.“

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