Besuch der Kanzlerin: Hackerangriff war der Grund

3 Jan

Der Campus Lahnberge wimmelte nur so von schwer bewaffneten Polizisten. Die Panoramastraße war gesperrt. Auch in der Innenstadt herrschte angesichts des Besuchs der Kanzlerin der Ausnahmezustand.
Tom hatte seinen besten Anzug und sogar eine Krawatte angezogen. Snyders trug ein kniefreies Kleid mit weitem Ausschnitt, das ihre attraktive Figur auf atemberaubende Weise zur Geltung brachte. Ihre makellosen Beine steckten in durchsichtigen Nylons und Highheels mit sehr hohen Absätzen.
Auch Meckler und Triftler hatten sich in Schale geworfen. Die Universitätspräsidentin und der Kanzler waren noch ein klein wenig mehr gestylt als normalerweise. Behrens traf ein und beeindruckte mit einer Fliege, die wie ein bunter Propeller wirkte.
Oberbürgermeister Thomas Spies und Landrätin Kirsten Fründt waren natürlich auch gekommen. Christoph Linne war ebenso da wie eine größere Gruppe von Journalisten. Zwei Fernsehkameras standen aufnahmebereit im Foyer.
Tom machte die Runde und begrüßte alle, die er kannte. Im Vorbeigehen klopfte er Schätzle auf die Schulter, dessen Leute sich unauffällig im Foyer und draußen verteilt hatten.
Dann hörte Tom das Geräusch von Hubschraubern. Gleich drei Helicopter landeten nacheinander auf dem Notlandeplatz beim Universitätsklinikum.
Gute fünf Minuten später betrat Angela Merkel das Foyer des Instituts, wo die Universitätspräsidentin und Tom sie bereits erwarteten. An ihrer Seite gingen der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier sowie sein Wissenschaftsminister Boris Rhein und Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.
Zunächst schüttelte Universitätspräsidentin Katharina Krause allen die Hand. Danach begrüßte Tom die bedeutenden Gäste.
„Ich freue mich riesig, Sie persönlich kennenzulernen“, sagte die Kanzlerin. „Dabei fühle ich mich irgendwie schon vertraut mit Ihnen.“
Tom nickte nachdenklich. „So ähnlich ergeht es mir auch mit Ihnen“, bemerkte er. „Ich bin sehr erfreut, dass Sie sich persönlich so engagieren für mich.“
Merkel zögerte nur kurz, bevor sie antwortete: „Nich für Sie, sondern für die Sicherheit der Menschen, Herr Kraft! Wir haben eine gemeinsame Verpflichtung, der wir nur gerecht werden können, wenn Sie die notwendigen materiellen und organisatorischen Voraussetzungen dafür haben, das KC4 zu entwickeln.“
Tom grinste. Obwohl er nie mit der Kanzlerin darüber geredet hatte, war ihm klar, dass sie über den Stand der Entwicklung des KC4 informiert sein musste.
Freundlich begrüßte Merkel Meckler, Triftler und Behrens. Dann schüttelte sie auch Snyders die Hand. „Passen Sie mir gut auf ihn auf“, sagte sie zu Toms Freundin mit einem verschwörerischen Blick.
Gerade wollte Tom sich anschicken, den Gästen das Institut zu zeigen, da erblickte er einen weiteren Besucher. „Hi, Ed“, rief er laut durch das Foyer. „Nice to see You personally!“
Alle Blicke richteten sich auf Edward Snowden. Erst umarmte er Tom, dann Snyders. Erst danach schüttelte er Merkel die Hand.
Die Kanzlerin lächelte. Sie hakte sich bei Tom ein, woraufhin Snowden sich bei Snyders einhakte. Fotoapparate klickten und Kameras filmten die beiden Paare, die nun gemeinsam durch das Gebäude gingen.
„Ich höre, Sie sind fast fertig“, raunte sie ihm leise zu. „Noch nicht ganz“, antwortete er, „aber so gut wie.“
Er zog das KC4 aus der Tasche und drückte es Merkel in die Hand. „Wir hatten noch keine Zeit, es zu testen“, bemerkte er. „Erst vor eineinhalb Stunden hat Meckler es mir gebracht.“
Prüfend betrachtete sie das Gerät. „Verstehe ich recht, dass der KC4 die vierfache Leistung des KC3 bringt?“ Tom bejahte ihre Frage: „Mindestens die vierfache!“
Tom öffnete die Tür zu seinem Büro. „Hier also haben Sie diese genialen Einfälle“, stellte Merkel fest. „Dabei wirkt es wie ein ganz normales Büro.“
Sie sah sich um. „Bis auf die leere weiße Wand“, fügte sie hinzu. „Die hat mein Büro auch, seit ich den KC2 habe.“
„Herzlich willkommen, Frau Bundeskanzlerin“, sagte Toms KC3. „Alle Daten zum Institut habe ich Ihnen schon übermittelt. Sie wollten den Kraftschrank sehen.“
Mit einem Schlüssel öffnete Tom eine Schranktür. Dahinter lagerten auf verschiedenen Brettern Geräte und Bauteile. Teils waren sie in Kartons eingepackt oder in Fächer einsortiert, teils lagen sie einfach nur auf den Schrankbrettern.
„Ihr Allerheiligstes“, bemerkte Merkel. Tom widersprach: „Mein Allerheiligstes ist Snyders.“
Dabei drehte er sich zu seiner Freundin um und drückte ihr einen Kuss auf den Mund. Beseelt erwiderten ihre Lippen seinen Kuss so lange, dass Merkel grinsen musste.
„Warum nennen Sie sie eigentlich nur noch beim Nachnamen?“ Merkel trat zu tom und hakte sich wieder bei ihm ein.
Snyders lachte. „Tom liebt Zungenbrecher und entsprechende Verse. Einer lautet: Snyders Snute snakt snell slaue Sprüche mit sneeweiße Sneidezähne.“
Merkel lachte laut. Dann wiederholte sie fehlerfrei: „Snyders Snute snakt snell slaue Sprüche mit sneeweiße Sneidezähne.“
Gemeinsam gingen Tom und sie nun durch die Flure zu verschieddenen Abteilungen des Instituts, bevor sie sich schließlich wieder dem Foyer zuwandten. „Nun geht´s zur Antrittsvorlesung“, sagte Merkel zu Tom. „Ich bin gespannt.“

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