Kanzlerin würdigt Kraft: Hackerangriff führt zu Auszeichnung

5 Jan

„Lieber Herr Kraft“, sagte Angela Merkel. „Mit der Gründung des Albert-Einstein-Instituts Marburg und der Werner-Heisenberg-Professur für Sie können wir im Bereicht der Informations- und Kommunikationstechnologie in idealer Weise theoretische und praktische Forschung auf weltweit einmaligem Spitzenniveau fördern. Besonders freue ich mich, dass die Philipps-Universität mit der Berufung von Edward Snowden auf die Mark-Zuckerberg-Professur am AEIM Ihnen einen Praktiker zur Seite stellt, der – wie kein anderer – die moralischen Fragen der modernen Informationstechnik intensiv diskutiert und für sich selbst absolut konsequent beantwortet hat.“
Tosender Applaus brandete auf in der Alten Aula. Tom wandte sich zu seinem Nebenmann um und gratulierte ihm schweigend mit einem Schulterklopfen.
„Herr Zuckerberg“, fuhr Merkel fort, „hat es sich nicht nehmen lassen, heute selbst einige Worte an Sie zu richten. Hallo, Mark!“
Merkel hielt ihren KC2 vor den Mund. Im nächsten Moment erschien Zuckerberg auf einem der Fenster und antwortete: „Hi, Angela!“
50 Millionen US-Dollar spendete er für Snowdens Professur und das Institut. Damit wolle er die Zukunft des Internet sicherstellen, erklärte Zuckerberg. Entweder werde das Netz vor Manipulation wirksam geschützt; oder aber es werde auf Dauer keine Zukfunt mehr haben.
„Der Schutz des Internet und der kritischen Infrastruktur weltweit ist Ihnen, lieber Herr Kraft, mit Ihrer Erfindung gelungen“, erklärte Merkel, nachdem Zuckerberg seine Ankündigung mit einem kurzen Gruß an Snowden beendet hatte. „Die Zeiten sind sicherer geworden dank Ihrer Erfindungskraft und Ihres Engagements.“
Sie blickte von ihrem Manuskript auf und sah Tom direkt in die Augen. „Über Weihnachten haben Sie kaum geschlafen, um Ihre Erfindung weiterzuentwickeln und neu aufgetretenen Herausforderungen anzupassen“, berichtete die Kanzlerin dem Publikum. „Das ist weitaus mehr, als wir von Ihnen erwarten durften.“
Sie legte das Manuskript beiseite und trat einen Schritt vor. „Bundespräsident Joachim Gauck hat mich deshalb gebeten, Ihnen das Große Bundesverdienstkreuz Erster Klasse zu überreichen.“
Tom stand auf und trat auf das Podium zu, wo Merkel ihm das Kreuz an die Brust heftete. „Herzlichen Glückwunsch, Herr Professor Kraft!“ Die Gäste im Saal standen auf und applaudierten minutenlang.
Snyders kam auf die Bühne und küsste Tom kurz auf den Mund. Dann umarmte sie die Kanzlerin, während Snowden seinen künftigen Kollegen kurz umarmte. Auch die Universitätspräsidentin gratulierte Tom.
„Lieber Tom“, sagte die Bundeskanzlerin anschließend, Ich bin sehr gespannt auf Ihre Antrittsvorlesung. Dank meines KC2 weiß ich ja schon einiges über die Themen, die Sie ansprechen wollen.“
Sie zwinkerte Tom zu, bevor sie weitersprach: „Wenn ich vor einiger Zeit gesagt habe, das Internet sei für uns alle Neuland, so triffft das heute bei der Antrittsvorlesung von Herrn Kraft wohl wirklich für ausnahmslos alle hier im Saal zu. Was X8- und X9-Wellen sind, das wird Herr Kraft uns allen gleich erklären, damit wir wenigstens den hauch einer Vorstellung davon bekommen können, wie seine Geräte arbeiten.“
Tom setzte sich wieder, während Merkel noch einmal ihr Manuskript aufnahm. „Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, die Forschung des Albert-Einstein-Instituts Marburg ausschließlich für friedliche Zwecke zum Wohle der Menschen einzusetzen, wie es auch die Statuten der Philipps-Universität verlangen“, erklärte sie. „Allerdings wird Herr Kraft im letzten Teil seiner Antrittsvorlesung auch ausführlich auf die ethischen Fragestellungen eingehen, die derartige Forschung aufwirft.“
Applaus brandete auf. Dann redete die Kanzlerin weiter: „Diese Technologie darf keinesfalls in falsche Hände geraten.“ Einige im Saal blickten betreten zu Boden. Andere wurden kreidebleich.
„Deshalb verbürge ich mich persönlich für den Schutz dieser Technologie vor unberechtigtem Zugriff und für den Schutz von Tom Kraft und Edward Snowden“, fuhr Merkel fort. „Ihr Schutz ist zugleich der Schutz der Menschheit vor einer Überwachung, die weitaus gravierendere Ausmaße haben könnte als alles, was wir uns in unseren schlimmsten Vorstellungen ausmalen könnten. Die moralische Integrität von Kraft und Snowden ist indes Garant dafür, dass wir heute hier keine Furcht haben müssen, sondern freudig feiern können.“

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