Antrittsvorlesung mit Brain-Interface: Hackerangriff direkt ins Hirn

6 Jan

„Das hier ist der leistungsstärkste Rechner, der weltweit zur Zeit in Betrieb ist“, sagte Tom und hob seinen KC3 in die Höhe. „Dieses Gerät hat die doppelte Speicherkapazität aller Rechner, die am 1. November 2016 weltweit existierten.“
Fast allen Besucherinnen und Besuchern der Antrittsvorlesung filen die Kinladen herunter. „Seine Technik fußt auf eine Verknüpfung von Nano-Modulen mit Übertragungsmöglichkeiten verschiedener Art, die die meisten hier im Raum sich wohl nicht vorstellen können. Es handelt sich dabei zum Beispiel um X8- und X9-Wellen, die Frau Merkel eben schon erwähnte.“
Tom blickte Angela Merkel an, die ihm aufmunternd zunickte. „So, wie vor gut 150 Jahren niemand den elektrischen Strom oder die radioaktive Strahlung kannte, so kennen heute nur sehr wenige Menschen Sigitarpoolwellen, X8- oder X9-Wellen. Ebenso wie Radioaktivität sind sie unsichtbar und fr den Menschen nicht sinnlich wahrnehmbar.“
Tom schaute ins Publikum. Mit herkömmlicher Technik sind solche Wellen auch nicht messbar“, fuhr er fort. „Nachdem ich eine Theorie zur Existenz dieser Wellen entwickelt hatte, habe ich auch Wege gefunden, solche Wellen zu messen, zu erzeugen und zu nutzen.“
Tom hielt den KC3 hoch: „Dieses Gerät nutzt die Übertragungsmöglichkeit solcher Wellen. Sie erlauben die übermittlung gigantischer Informationsmengen in sekundenbruchteilen.“
Er hob den KC3 an seinen Mund: „Mit Hilfe der G9-Wellen übermittle ich allen Anwesenden hier im Raum jetzt ein vereinfachtes Schema zu Sigitarpoolwellen. Heben Sie bitte die Hand, wenn Sie es verstanden haben!“
Bis auf zwei Personen hoben alle Anwesenden ihre Hände hoch. Tom schaute nacheinander die beiden an, die ihre Hände nicht erhoben hatten. „Herr Köllisch, ich versuche es noch mal.“
Daraufhin erhob der Angesprochene seine rechte Hand. „Jetzt verstehe ich“, sagte er erleichtert. „Ich war noch nie gut in Mathematik und Physik.“
Tom grinste. „Ab sofort wird das anders: Ihnen allen übermittle ich eben die wichtigsten physikalisch-mathematischen Grundkenntnisse.“
Ungefragt erhoben sich nacheinander wieder alle Hände im Saal. Weiterhin blieb eine Hand unten. Tom betrachtete die Person nachdenklich, die nicht reagierte.
„Offenbar sind Sie immun gegen X9-Wellen, Herr Klein“, sagte Tom. „Dieses Phänomen werde ich einmal näher untersuchen, wenn Sie freundlicherweise Ihre Bereitschaft dazu erklären.“ Der Angesprochen nickte Tom freundlich zu. Tom fuhr fort in seinem Vortrag.
„Was Sie hier gerade erleben, ist das Brain-Interface auf der Basis von X9-Wellen“, erklärte er. „Die Informationmeines KC3 gelangt damit direkt in Ihr Gehirn.“
Snyders lächelte. Tom strahlte sie an. Seine heimliche Liebesbotschaft war also auch angekommen.
„Herr Astantinow, Ihnen übermittle ich die Erklärung, die Frau Merkel eben erwähnt hat“, wandte er sich an einen Herrn in der drittletzten Reihe. „Gleiches gilt auch für alle anderen anwesenden Geheimdienstleute hier im Saal mit Ausnahme der Herren Konzel und Willich vom Verfassungsschutz und vom BND.“
Mehrere Gesichter wurden kurz bleich, bevor sie schnell wieder Farbe annahmen. „Dem KC3 bleibt nichts verborgen“, bemerkte Tom. „Deshalb wende ich mich nun auch den ethischen Fragen zu, die Frau Merkel zu Beginn bereits erwähnt hat.“
Auf dem Fenster, wo vor 20 Minuten noch Mark Zuckerberg erschienen war, sah man nun Stephen Hawking. Er dankte Tom für die Übermittlung seiner Forschungsergebnisse und forderte mit der Stimme seines Sprechcomputers, diese Technologie unbedingt strikt unter Kontrolle zu halten. Sie könne Fluch und Segen der Menschheit werden.
Während Hawking auf Englisch redete, übersetzte der KC3 allen Anwesenden seine Ausführungen per Brain-Interface simultan in ihre jweilige Muttersprache. Zum Schluss wandte sich Hawking an Merkel, der er zu der Erklärung über die friedliche Nutzung der neuen Technik gratulierte.
„Thank You“, verabschidete sich Tom bei Hawking. „Er ist einer von vier Menschen, die meine Forschung verstehen. Selbst mit G9-Wellen gelingt das sonst niemandem.“
Tom ergänzte. „Auch das Brain-Interface kann nicht zaubern. Ihnen mag das eben zwar so erschienen sein, aber die Übermittlung bedarf der inneren Bereitschaft der Empfangenden und des logischen Denkvermögens zur Durchdringung der übermittelten Inhalte.“

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