Hereingeschneit: Das Zauberwerk vom Zauberberg entsteht da, wo´s keine wütenden Opfer gibt

24 Jan

Thomas Mann nannte ihn den „Zauberberg“. Vielleicht ahnte er schon, welche Bedeutung dieser Gipfel Jahrzehnte später einmal haben würde. Heute nennt man ihn „Weltwirtschaftsgipfel“.
Da, wo´s derzeit ziemlich zugeschneit ist, treffen sich 3.000 Reiche und Mächtige, um miteinander zu saufen, in Konferenzräumen umherzulaufen, zwischendurch kurz zu verschnaufen und sich die Haare zu raufen. „Was haben wir da nur angerichtet“, mag mancher mitunter stöhnen. „Die Welt ist eine einzige Wirtschaft und dabei der Gipfel der egoistischen Unverfrorenheit.“
Doch glücklicherweise können die Verantwortlichen für diese Misere ja Andere verantwortlich machen. Das Geld regiert zwar die Welt, aber die Regierenden kommen davon nur gerade so viel ab, wie ausreicht, um ihnen schmackhaft zu machen, dass sie für Alles ihren Kopf hinhalten. Wirklich kluge Köpfe gewinnt man für diesen Job deswegen auch nur selten.
In manchen Ländern regieren die Reichen gleich selbst. Doch solche Staaten nennt man dann meist „Reich“ und findet diese unverhohlene Machtkonzentration anrüchig. In einer echten „Postdemokratie“ kriegen die gewählten Volkstreter ihre Befehle per Post – oder wie auch immer sonst noch – von den wirklich Mächtigen.
Einmal treffen sich dann alle in Davos, da wo´s keine störenden Demonstranten gibt. Da denken sie dann in einer kurzen Pause vom hektischen Alltag des Geld Scheffelns einmal kurz über die Zukunft nach und überlegen, wie ihr neoliberales Bündnis auf Kosten der Weltbevölkerung weiterhin überlegen bleiben kann.
„Ich, ich, ich“ haben sie jahrzehntelang gepredigt. Was für sie selber galt und gilt, muss doch Anderen auch Rechts sein. Wenn allerdings die Welt nur so überquillt von Egoismus, dann explodiert sie irgendwann.
Flüchtlinge fliehen vor diesen heimlichen Herrenmenschen genau dorthin, wo das Zentrum der Macht beheimatet ist. Das liegt allerdings daran, dass es an den Rändern laut kracht und knallt, weil dort Hunger wütet und Umweltzerstörung und Krieg. All das haben diese großartigen Größen der Großkonzerne gemacht, aber an den Rand gedrängt, wo sie selber möglichst wenig davon betroffen sind.
Nun aber kommen die Opfer zu Hunderttausenden. Einige der herrschenden Herrschaften versuchen es daraufhin mit altbekannten Methoden wie Rechtspopulismus und Faschismus, doch das ist nicht gerade gescheit, weil diese Strategien schon früher grandios gescheitert sind.
So sitzen sie nun in der Kälte im Warmen und erwärmen sich an der Idee vom großzügigen Erbarmen. Zügig werden sie was unternehmen müssen; und Erbarmen ist immer gut. Ob Erbarmen allerdings nur ein Stadtteil von Wuppertal ist oder wirklich ein ernster Zug des Verständnisses wird, werden wir wohl abwarten müssen.

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