Mensch: Hektik und Plastik statt Mitgefühl und Vernunft

4 Aug

Diese Leute haben wirklich merkwürdige Gewohnheiten: Sie leben in hohen Türmen zusammen. Trotzdem ist jeder ganz allein.
Sie halten sich merkwürdige Haustiere. Manche haben einen Rüssel und fressen Staub. Andere spucken Wasser oder brüllen den ganzen Tag hektisch irgendwelche lauten Gedichte mit einem rasanten Rhythmus.
In den Bauch ihrer großen Haustiere klettern sie hinein und preschen mit ihnen in rasender Eile hin und her. Einige rote und blaue Tiere haben ein blaues Horn auf dem Kopf und heulen jämmerlich in ihrem hastigen Vorwärtseilen.
Diese Leute halten kleine Tafeln in der Hand. Darauf schreiben sie nicht nur, sondern sie sprechen auch mit ihnen. Diese Tafeln antworten dann manchmal auch.
Ihr gesamter Alltag ist voll von einem künstlichen Stoff, den sie „Plastik“ nennen. In Taschen aus Plastik schleppen sie ihre Habseligkeiten herum; mit Karten aus Plastik bezahlen sie und aus Plastikflaschen trinken sie. Selbst ihre Kleidung ist aus diesem „Plastik“.
Überall in der Natur hinterlassen sie es. Im Wald ist es genauso wie im Meer oder in den Mägen der Tiere.
Eigentlich haben diese Menschen nur Eins: Eile! Zeit haben sie nicht oder Anstand und Mitgefühl oder Vernunft.
Gnadenlos lassen sie ihre Brüder und Schwestern im Meer ertrinken. Anstatt auf den Charakter ihrer Mitmenschen schauen sie nur auf die Farbe ihrer Haut. Bei alledem denken sie immer nur an sich.
Manchmal schämen wir uns dafür, dass sie Menschen sind ebenso wie wir. Für uns galt das Wort „Mensch“ schließlich immer als Ausdruck für Mitgefühl, Klugheit und Demut. Sie aber benutzen dieses Wort gar nicht mehr und nennen sich selber immer nur „ich, ich, ich“.

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