Am Ende des Tages ist Feinstaub doch nicht so fein, wie 112 Lungenärzte vorrechnen wollten.

15 Feb

Zigarretten sind schädlich. Das weiß jeder. Autoabgase hingegen seien unschädlich, behauptete Prof. Dr. Dieter Köhler.
Gemeinsam mit drei Mitautoren hat der Lungenfacharzt eine entsprechende Stellungnahme verfasst. Zwei der Autoren stammen allerdings aus der Automobilbranche. Aber als Motorenentwickler kennen sie sich natürlich auch mit Feinstaub aus.
105 weitere Lungenärzte haben Köhlers Pamphlet unterschrieben. Das ist doch eine zimelich große Zahl geballten Sachverstands, oder?
Jedenfalls forderte Verkehrsminister Andreas Scheuer daraufhin, die Europäische Union (EU) müsse ihre Grenzwerte für Stickoxide nach Köhlers Arbeit nochmals überprüfen. Anders als der CSU-Politiker sah das angesichts tausender entgegengesetzter Studien allerdings die Tageszeitung „Taz“ und überprüfte Köhlers Publikation.
Dabei stieß sie auf gleich zwei schwerwiegende Rechenfehler. Sie belegen die unwissenschaftliche Herangehensweise von Köhler bei seiner Streitschrift. Der „Fachmann“ hat sich um den Faktor 1.000 und sogar noch mehr verrechnet.
Offenbar haben sich auch die Autolobby und ihr Cheflobbyist im Verkehrsministerium verrechnet. Sie hatten vermutlich gehofft, mit diesem Pamphlet könnten sie Gerichtsentscheide über Dieselfahrverbote und die Arbeit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) erschüttern.
Erschüttert ist nun allenfalls die Glaubwürdigkeit von Scheuer und seinen Freunden in der Automobilindustrie sowie die einiger Medien, die den streitbaren Lungenarzt unkritisch zitiert oder in Talkshows eingeladen haben. Feinstaub ist eben nicht nur schädlich für die Lunge, sondern auch für unwissenschaftliche Verharmlosungsversuche betrügerischer Autokonzerne und ihrer willigen Helfer in Wissenschaft und Medien.

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