Am Ende des Tages erfüllt die Fee den Innenministern fast jeden Wunsch.

13 Jun

Bei der schönen Fee im Märchen hat man nur drei Wünsche frei. Die Märchenfee des 21. Jahrhunderts erfüllt einem fast jeden Wunsch.
Um ihr zu begegnen, muss man nicht über Felder und Wiesen oder durch den Zauberwald laufen und auch keine Heldentaten vollbringen, sondern kann bequem auf der Couch sitzenbleiben. Man muss nur einige Euro berappen und in der Wohnung einige Geräte aufstellen.
Dann ruft man den Namen der Fee; und schon ist sie zur Stelle wie der Gin aus Aladins Wunderlampe. Allerdings ist die freundliche Fee unsichtbar. Man hört nur ihre Stimme.
Diese Fee heißt „Alexa“ oder „Siri“. In vielen Wohnzimmern wartet sie schon darauf, den Menschen ihre Wünsche zu erfüllen.
„Alexa, spiel mir das Lied vom Tod!“ Auf diese Bitte hin hört man sofort eine Mundharmonika und sieht auf dem Bildschirm an der Wand einen Italo-Western. Wie von Zauberhand geschieht, was man Alexa sagt.
Alexa hört auf jedes Wort. Aufmerksam hört sie zu. Alexa hört immer, was man im Wohnzimmer sagt.
Die Fee aus den Märchen ist beinahe Wirklichkeit geworden. Die Helden aus den Märchen hingegen sind faul geworden. Breit und bräsig hocken sie bequem auf der Wohnzimmercouch.
Die Hersteller von Alexa und Siri sind reich geworden. Zufrieden reiben sie sich die Hände. Ihre Mikrophone im Wohnzimmer hören immer mit und machen jede Scheiße, die da einer redet, zu Gold.
Auch die Innenminister sind neugierig geworden. Gerne möchten auch diese Hexenmeister der Schwarzen Magie mithören, was da in den Wohnzimmern gesprochen wird. Am Ende des Tages sind Siri und Alexa keine guten Feen und ihre offenen Ohren in den Wohnzimmern nicht märchenhaft, sondern ein böser Alptraum.

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