Am Ende des Tages strömen alle an den Strand.

30 Jun

„Reisen bildet“, sagen viele. Für viele bildet Reisen eine beinahe zwanghafte Gewohnheit.
Kaum sind die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie auch nur ein wenig gelockert, da rasen sie gleich wieder los. In Scharen bevölkern sie Strände und Restaurants, als sei nichts gewesen. Selbst die Bewohner des Kreises Gütersloh reklamieren für sich ein „Recht auf Reisen“ trotz des todbringenden Virus.
Jahrelange Gewohnheit bricht sich nun nach der ungewohnten Einschränkung wieder Bahn. Konnten Lehrkräfte kaum eine Ferienwoche daheim bleiben, weil der soziale Druck des Kollegiums ihnen immer eine Begründung für das Daheimbleiben auf Balkonien abverlangte, so strömen nun alle zumindest an weit entfernte Gegenden Deutschland, wenn sie schon nicht in die Urlaubsregionen menschenverachtender Diktaturen reisen können.
Mancher muss offenbar der eigenen – allzu beengten – Wirklichkeit dringend entfliehen. Bei vielen ist das weniger die Enge der Arbeit am Fließband der Fleischfabrik oder der Unterkunft für Beschäftigte bei Subunternehmen, sondern vielmehr die Flucht vor der Enge der eigenen Phantasie. Wer im Kopf wenig Weite besitzt, sucht dann eben auf andere Weise das weite.

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