Am Ende des Tages setzt die Diktatorendämmerung ein.

25 Aug

Den Diktatoren dämmert, dass die macht ihnen mehr und mehr entgleitet. Verzweifelt versuchen sie, sie zu verteidigen.
Zunächst zementieren sie ihre Macht mit Gesetzen auf Dauer. Regentschaft bis zum Lebensende lassen sie sich von willfährigen Parlamenten oder fragwürdigen Volksentscheiden abnicken. Aber schon dieser Vorstoß ist ein deutlicher Beleg, dass sie sich iher macht nicht mehr sicher sind.
Abstimmungen und Wahlen lassen sie fälschen. Das dauert einige Male, bis die Wahlberechtigten aufmucken. Je höher das Ergebnis für den Diktator ausfällt, desto geringer ist in Wahrheit sein Rückhalt beim Volk.
Briefwahlen können bei der Wahlfälschung helfen. Allerdings kann auch die Behinderung von Briefwahlen dabei helfen, das eigene Wahldebakel zu vernebeln. Die neoliberale Drangsalierung der Post ist deswegen ein Anzeichen für eine sich anbahnende Abkehr von der Demokratie.
Wenn eine Wahl nicht so ausgeht, wie der Diktator sich das wünscht, wird sie wiederholt. Wiederholte Wahlen zermürben die Demokratie. Sie drängen gegenerische Parteien zu Koalitionen unter der Knute eines missliebigen Machthabers.
enn das Volk das gefälschte Wahlergebnis nicht anerkennt, lässt der Diktator die Proteste zusammenknüppeln. Solange Polizei und Militär hinter ihm stehen, kann er das Volk noch einschüchtern. Irgendwann aber nagen die Zweifel auch an Polizisten und Militärs.
Oppositionspolitker werden außer Landes gescheucht oder hinter Gitter gebracht. Sie verschwinden hinter Gittern oder ganz und gar. Irgendwann werden irgendwo Leichen gefunden.
Schüsse oder Gift erledigen nicht nur den Feind, sondern schüchtern dessen Freunde zugleich auch ein. Gift im Tee oder sogar an der Türklinke im Exil bezeugen jedoch, dass der Diktator schon stark ins Wanken geraten ist. Je mehr Giftmorde ihm angelastet werden, desto vergifteter ist sein Image in der ganzen Welt.
Möglicherweise morden subalterne Kräfte, die damit dem Diktator schaden. Möglicherweise möchten sie ihm sogar schaden. Jedenfalls muss er selber auch Gift in seiner Umgebung und ein vergiftetes politisches Klima im Land vermuten.
Früher oder später stürzen oder sterben alle Diktatoren. Je länger sie sich verzweifelt an der Macht zu halten versuchen, desto unrühmlicher enden sie schließlich. Verzweifelte Versuche unlauteren Machterhalts sind deswegen deutliche Anzeichen des drohenden Machtverlusts.

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