Am Ende des Tages haben wir trotzdem was gelernt.

28 Aug

Unsere Lehrerin hieß „Frau Holle“. Faulpelze hat sie immer eiskalt erwischt.
Der Mathematiklehrer in der Unterstufe war „Herr Sommer“. Beim „Großen Einmaleins“ hat er uns alle schweißtreibend gegrillt.
Unseren Chemielehrer nannten wir „Doktor Knall“. Völlig unabsichtlich explodierten seine Versuche immer wieder mal.
Unser Geschichtslehrer war „Prinz Eugen“. Wenn er Brücken bauen wollte zur Vergangenheit, dann sang er gern alte Lieder über Heldentaten im Krieg von Anno Dunnemals.
Unsere Biologielehrerin war Frau Klemm. Manchmal sprach sie von „Bienchen“ und anderen Insekten, während wir uns heimlich zum Stelldichein verabredeten.
Unser Deutschlehrer hieß „Herbst“. Die Blätter fallen, fallen wie von weit, wenn er auswendig aufsagen ließ, meist mit verneinender Gebärde.
Unser Lateinlehrer war „Ovid“. Nach Caesar, Cicero und den Metamorphosen war er mit seinem Latein am Ende. Danach gab es nämlich nur noch Französischunterricht.
Unsere Französischlehrerinnannten wir „pas dÉnvie“. Auf Unterricht mit missmutigen Schulkindern hatte sie keine Lust. Lieber flirtete sie mit ihren männlichen Kollegen.
Unser Musiklehrer war „Otto Klimperer“. Am Klavier spielte er uns die Stücke vor, die er nicht auf Schallplatte mitgebracht hatte. Mit unserem gemeinsamen Gesang übertönten wir sein Spiel tapfer.
Unsere Englischlehrer waren die „Beatles“ und die „Rolling Stones“. Mit ihren Liedern haben wir mehr gelernt als bei den meisten Lehrkräften, wenngleich die sich nach Kräften bemühten.
Schuldirektor war „Doktor Winter“. Ein weißer Haarkranz auf seinem Kopf zeugte davon, dass er bald in Rente gehen würde. Bis dahin erwärmte er sich immer an dicken Zigarren, die er beim Betreten der Klassenräume auf den hölzernen Garderobenleisten ablegte.
Meine Lieblingslehrerin war „Fräulein Frühling“. Frisch von der Uni war sie an unsere Schule gekommen. Sie lehrte Soziologie und hatte eine kleine Schwester in unserem Alter, weshalb sie sehr viel Verständnis für unsere Sorgen und Nöte aufbrachte.
Meine Mitschüler und ich haben viel gelernt. Das meiste hat uns aber nicht die Schule beigebracht. Allerdings hat sie uns gelehrt, auch widrigen Bedingungen zu trotzen und sich selbst zu behaupten.

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