Am Ende des Tages müssen Frauen in der Politik härtere Männer sein.

12 Apr

Wäre Anton Spiegel nach der Flut vier Wochen in den Urlaub gefahren, wäre er vielleicht trotzdem Bundesminister geblieben. Hätte Andrea Scheuer die Maut ergeigt, wäre sie garantiert nicht mehr lange Ministerin geblieben.
Ansgar Kramp-Karrenbauer hätte Witze über Klos machen können, so viel er wollte; trotzdem wäre er Parteivorsitzender geblieben. Die neoliberale Hetzagentur mit der Selbstbezeichnung „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM) hätte sich niemals getraut, Moritz Baerbock als Moses zu karrikieren und mit einer antisemitischen Kampagne von der Spitzenkandidatur zu verdrängen. Ute Schäuble hätte nach der Schmiergeld-Affäre garantiert keine Chance mehr bekommen, trotzdem Bundestagspräsidentin zu werden.
Medien messen mit zweierlei Maß. Frauen dürfen keinen Fehler machen. Hinter ihnen lauern bereits ihre „Parteifreunde“, um sich ihre Pöstchen unter´n Nagel zu reißen.
Natürlich hat Anne Spiegel schwerwiegende Fehler gemacht und ist als Bundesfamilienministerin untragbar. Gewiss musste auch Ursula Heinen-Esser ihren Posten als Landesministerin in Nordrhein-Westfalen räumen, weil sie unsensibel auf die Flutkatastrophe reagiert hat. Schließlich musste – teils auch deswegen – sogar Armin laschet als CDU-Vorsitzender zurücktreten.
Doch wie viele Aussagen von Friedrich Merz waren ebenso untragbar wie die anderer Politiker, die deswegen ihre Karriere aufgeben mussten? Friederike Merz hätte es niemals bis an die Spitze der CDU und der Unionsfraktion im Bundestag geschafft, während Maskendealer und Lobbyisten wie Philipp Amtor dort weiterhin in bequemen Sesseln rumlungern. Frauen werden gemobbt, Männer hingegen gemocht.
Kinder haben sollten Frauen. Um Kinder kümmern dürfen sie sich aber nicht. Weich und verständnisvoll sollen Frauen sein, aber trotzdem alle Härten der Männer ringsum geduldig ertragen.
Die Politik in Deutschland ist ein stinkender Sumpf, in dem heimtückische Männerbünde die Posten beim Ellenbogendrücken untereinander verteilen. In Deutschland kann ein Mann immer noch sexistische Witze über seine Generalsekretärin machen und trotzdem Parteivorsitzender einer – sich „liberal“ nennenden – Partei bleiben. Leider haben 16 Jahre Angela Merkel daran nur wenig geändert.

%d Bloggern gefällt das: