Am Ende des Tages sind alle immer klüger oder tot.

2 Mai

Hinterher sind alle klüger. Oder sie sind tot.

Wer behauptet, er wisse ganz genau, was richtig isT in der gegenwärtigen Lage, der ist entweder dumm oder dreist. Keiner kann wissen, was Vladimir Putin wirklich will und was er im einen oder anderen Fall dann machen wird. Am Ende ist Putin unberechenbar.
Dieses Dilemma ist sowohl ein moralisch-ethisches als auch ein strategisches. Egal, wie sich die Bundesregierung entscheidet, sie riskiert mit jedem Handeln eine Verschlimmerung der Situation, ebenso wie auch fast jede Entscheidung eine Verbesserung bringen kann.
Waffenlieferungen zu verweigern, wäre zynisch gegenüber denjenigen Menschen, die dann der mordenden russischen Soldateska zum Opfer fallen würden. Waffen zu liefern, kann ebenso zynisch sein gegenüber all denjenigen, die diese Waffen töten. Die Unschuld hat Europa ebenso wie gesamte Welt schon längst verloren.
Wer Waffen liefert, eskaliert den Konflikt. Jede weitere Eskalation erschwert seine Beendigung. Wer keine Waffen liefert, erschwert die Nöte der Ukraine.
Waffenlieferungen oder die Ausbildung an Waffen könnte Putin als Kriegsbeteiligung werden. Dann könnte er Deutschland oder die EU angreifen. Das könnte er jedoch auch dann tun, wenn er wegen mangelnder Waffen die Uk raine überrannt hat und sich auf der Siegerstraße sieht.
Wird Putin in die Enge gedrängt, greift er möglicherweise zur Atombombe. Wird ihm keine Grenze gesetzt, tut er das möglicherweise auch. Egal, was man auch immer tut, alles kann schlimm enden.
Heute zu sagen, man hätte niemals mit Putin reden oder verhandeln dürfen, ist aber in jedem Fall arrogant. Doch spätestens seit der Annektion der Krim hätte man vorsichtiger werden müssen im Umgang mit ihm. Ein „lupenreiner Demokrat“ war er wohl nie.
Sich abhängig zu machen von russischem Gas und Öl, war ein strategischer Fehler allergrößter Klasse. Das kann man sicher sagen. Der Ausstieg aus fossilen Energien ist in jedem Fall der richtige Weg in die Zukunft.
Ansonsten aber sind hinterher alle klüger, wenn es überhaupt noch ein „Hinterher“ gibt. Deswegen dürfen die deutschen Politiker weder der Ukraine hinterherrennen und sich von ihr erpressen lassen, noch von Putin. Die Diplomatie bleibt trotz aller Unwägbarkeiten und der nahezu nicht existenten Verlässlichkeit von Zusagen des Kreml dennoch die wichtigste Option bei der Konfliktbearbeitung.

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