Homo Twitter: Die Evolution drückt auf den Knopf

30 Jun

Einst brachte die Evolution den „Homo Erectus“ hervor. Auf ihn folgten der Neandertaler und der „Homo Sapiens“. Am Schluss dieser Entwicklung steht nun der „Homo Twitter“.
Der „Homo Twitter“ äußert sich niemals in längeren Ergüssen. 280 Zeichen sind die Obergrenze seiner Aufnahmebereitschaft wie auch seiner Aussagen. Auf 280 Zeichen sind seine Gedanken wie auch seine Wahrnehmung beschränkt.
Der „Homo Twitter“ hockt den ganzen Tag auf dem Sofa. Sein Handy hält er stets in der Hand. Er könnte ja sonst vielleicht etwas verpassen.
Der „Homo Twitter“ bewegt sich weder körperlich noch geistig. Das ist ihm viel zu anstrengend. Seine einzige Bewegung ist die der Finger auf dem Touchscreen seines Mobiltelefons.
Der „Homo Twitter“ ist nicht nur latent aggressiv. Wer sein Sofa nie verlässt, muss seinen Bewegungsdrang irgendwie anders austoben. Facebook und Twitter eröffnen da ungeahnte Möglichkeiten.
Der „Homo Twitter“ schimpft und macht andere fertig. Das macht ihm Spaß und bereitet ihm hämische Schadenfreude. Hetze und Häme sind sein Lebensinhalt.
Der „Homo Twitter“ kennt nur einfache Antworten auf schwierige Probleme. Wer in 280 Zeichen denkt, dem sind andere Schattierungen als Schwarz-Weiß viel zu kompliziert. Für ihn gibt es nur „ja“ oder „nein“.
Der „Homo Twitter“ vermehrt sich in rasender Eile. Jedes verkaufte Smartphone und jedes Sofa eröffnen dieser neuartigen Spezies die Chance zu einer weiteren Verbreitung. Außerdem besitzt sie die Fähigkeit, sich über Trolle zu vermehren.
Der „Homo Twitter“ hört niemals zu und schon gar nicht auf. Den ganzen Tag über ist er mit hektischen Hetztweets beschäftigt. Sich über andere zu erheben, ist für ihn das einzig wahre Erlebnis eines – ansonsten wenig abwechslungsreichen – Alltags.
Der „Homo Twitter“ vermeidet alles Neue und Unbekannte. Dergleichen ließe sich ja in der Regel kaum in 280 Zeichen erklären. Deswegen wendet er sich gerne den guten alten Zeiten zu.
Der „Homo Twitter“ ist selbstgerecht und eitel. Mitgefühl und Mitmenschlichkeit sind ihm fremd. Schließlich trifft er ja nur sehr selten auf real existierende Menschen aus Fleisch und Blut.
Der „Homo Twitter“ sieht aus wie ein Mensch. Sein Kopf ist jedoch so leer wie sein Blick. Allmählich kennt er alle bunten Bildchen und alle boshaften Gerüchte, die in den sogenannten „Social Media“ grassieren.
Der „Homo Twitter“ macht Karriere in der Politik. Zu viele Wähler sind genauso wie er. Das gilt für Amerika ebenso wie für Bayern und Italien.
Der „Homo Twitter“ ernährt sich vom Leid der anderen. Dazu verzehrt er pausenlos Chips und trinkt Bier. Schlafen, Schimpfen und Twittern sind sein gesamter Lebensinhalt.
Der „Homo Twitter“ sitzt in seiner behaglichen Höhle und kehrt mit Hilfe modernster Technologie zurück in die Steinzeit. Das Größte sind für ihn die Knöpfe, die er drücken kann. Wer hat den Größten?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: