Heute noch ein echter Cowboy: Der Lehrer schießt schneller

24 Feb

„Non Scholae sed vitae discimus.“ In den – mit Gewehren – verteidigten Schulen von Amerika wird dieses altehrwürdige Motto wahrlich auf neue Weise umgesetzt: Den Schulkindern will US-Präsident Donald Trump wirklich was bieten.
In den USA gehören Waffen eben zum Leben. Der 2. Verfassungszusatz gewährleistet das Recht eines jeden US-Bürgers, in die nächstbeste Schule zu gehen und dort herumzuballern. Der National Rifle Association (NRA) sei Dank, dass sich daran so bald nichts ändern wird.
Irgendwie muss die Regierung ja das Bevölkerungswachstum in Zaum halten. Außerdem fördert Präsident Trump ja die Wirtschaft und den Waffenhandel. Sein Motto „America first“ gilt heute schon zumindest bei der Opferzahl von Schulmassakern.
Dagegen aber protestieren nun die Schüler aus Parkland. Ihre Wutreden bringen selbst den wackeren Trump in Bedrängnis. Nolens volens musste er eine Delegation der weniger durchsetzungsfähigen Fraktion im Weißen Haus empfangen.
Als Gegenmaßnahme gegen tote Schüler will Trump nun die Lehrer bewaffnen. Mit einer Pistole oder einem Gewehr sollen sie Angreifer niederstrecken, bevor die Polizei eintrifft.
Der Lehrer schießt schneller. Pädagogen sind die harten Cowboys der Trump-Ära, die eine Herde störrischer Kinder hüten und dabei auch noch die bösen Amokläufer mit der Waffe in Schach halten. Mein Chemielehrer hätte das zwar niemals fertiggebracht, wo bei ihm doch die Erklärung, warum das Experiment schiefgegangen ist, zum Standard jeder Unterrichtsstunde gehörte, aber amerikanische Lehrer sind da eben anders.
Amerikanische Lehrer sind zum Schießen geradezu prädestiniert. Im Land der ungeahnten Unmöglichkeiten gehört der Schießunterricht doch genauso zur Grundausbildung wie der dafür eingesparte Geschichts- und Politikunterricht. Die „High School“ in den USA heißt eben deswegen so, weil da entweder alle „high“ sind oder zumindest die Hälse sehr hoch recken, um nach dem Unterrichtsniveau zu suchen.
Doch das Niveau wird dank Trump nun dramatisch ansteigen. Ganz nebenbei kriegen Kinder da ein grandioses Schauspiel geboten: Knapp Zehnmal jeden Monat können Kinder dabei zusehen, wie so ein verwirrter Amokläufer ihre Klasse stürmt und der Philosophielehrer dann rasch das Maschinengewehr aus dem Schrank reißt und eine Salve in Richtung des Eindringlings abfeuert.
Ein ordentlicher Schluck Schnaps hilft gegen Kater. Ein bewaffneter Lehrer hilft gegen einen bewaffneten Angreifer. Die Waffensucht in den Verteidigten Staaten gehört ganz gewiss zum nationalen Kulturerbe und genießt darüber hinaus den millionenschweren Schutz der göttlichen NRA.
Dagegen hilft nichts. Schulen sind Schießbuden und Kinder kleine Schießbudenfiguren.
Diese Emma Gonzales ist doch wirklich ein Weichei: Die Heult und schimpft auf die tapfere RNA, die sich nicht scheut, Millionen auszugeben für harte Präsidentschaftskandidaten wie Trump. Aber diese Schülerin aus Florida ist ja auch nur ein Mädchen und eben kein Cowboy mit Silbersporen und goldenen Wasserhähnen im Klo.

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