Zurücktreten: VW auf der schiefen Bahn

25 Sep

„Zurücktreten!“ Galt diese Aufforderung bisher nur bei der Bahn, so hat sie sich jetzt auch in der Autobranche durchgesetzt. Gestern ist der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn zurückgetreten und drei oder vier weitere Top-Manager des Wolfsburger Automobilkonzerns werden ihm bald wohl noch folgen.
„Rücktritt“ war bislang die Bremse von Fahrrädern. Nun ist es auch die Bremse für den freien Fall von Auto-Aktien.
„Software“ endete noch nie so katastrophal wie derzeit bei VW. Die Betrüger-Software für Abgasmessungen war wohl nicht das Wahre. 24 Milliarden Euro oder sogar noch mehr könnte sie den Konzern kosten.
In dieser Situation verhält sich der VW-Aufsichtsrat wie Bahnreisende: Er zieht die Notbremse. Was bliebe ihm auch anders, um den milliardenschweren Absturz seiner Aktien im freien Fall zu verhindern?
Aber nicht nur bei VW geht´s rund: Das Postenkarussell ist derzeit schwer im Gange. Die neue Mode heißt „Bäumchen, wechsle Dich!“ oder „Die Reise nach Jerusalem“.
Mit Harald Range verlor ein Generalbundesanwalt von Range seinen Posten. Mit Manfred Schmidt trat auch der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge die Flucht an. VW läuft und läuft und läuft künftig gewiss nur ohne Winterkorn und einige andere, die so vermessen waren, zu glauben, dass man mit Software Messungen unbemerkt türken könnte.
„Der Nächste bitte!“ Einer käme da in vorderster Linie in Frage: Schuld an der Misere mit dem BAMF und einer mangelnden Vorbereitung auf erwartbare Flüchtlingsbeweungen ist Thomas de Maiziere.
Schön wäre auch, wenn Horst Seehofer abträte. Zurück ist der bayerische Rechtspopulist ja eh schon, hat er doch den ungarischen Rechtspopulisten Viktor Orban zur CSU-Klausur eingeladen.
Der Dritte im Bunde wäre Hans-Georg Maaßen im Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Man verrät sicherlich kein Staatsgeheimnis, wenn man ihn in vorderster Front für die Verfolgung der Internet-Journalisten von netzpolitik.org verantwortlich macht. Dabei hat de Maiziere ihn wohl lange Zeit ebenso gedeckt wie möglicherweise auch etwas maßvoller Heiko Maas.
Doch selbst wenn sie alle weg wären, wäre da immer noch einiges faul im Staate Dänemark und in Deutschland. Wenn Köpfe rollen und die restliche Struktur gleich bleibt, ändert sich wenig. Deshalb ist es an der Zeit, Mut zu Wahrheit und Klarheit zu zeigen.
Deutschland sollte sich an Willy Brandt erinnern. Im Gegensatz zu seinem niedersächsischen Parteigenossen und späteren Nachfolger im Kanzleramt wollte er nicht mehr Volkswagen, sondern „mehr Demokratie wagen“.

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